4 Ein von der tschechoslowakischen Regierung erlassener und von dem damaligen stellvertr. Ministerpräsidenten Gottwald unterzeichneter Aufruf vom 11. Mai 1945 hatte z. B. folgenden Wortlaut:

„Die neue Republik wird ein slawischer Staat, die Republik der Tschechen und Slowaken sein. Die Deutschen und Ungarn, die sich gegen unsere Völker und gegen die Republik so schwer vergangen haben, werden wir der Staatsbürgerschaft als verlustig betrachten und werden sie schwer bestrafen. Die Nationalausschüsse sollen damit sofort anfangen. Macht alle aktiven Nazisten unschädlich und beschlagnahmt ihr Vermögen zugunsten der Nation und des Staates. ... Beschlagnahmt und gebt in die Nationalverwaltung das Eigentum von Deutschen, Verrätern und Kollaboranten ... Bereitet auf dem Lande eine Konfiskation des Bodens vor, der dem fremden Adel, Deutschen, Verrätern und Kollaboranten gehörte. Dieser Boden wird unter kleines landwirtschaftliches Volk aufgeteilt

werden, das nach Herausgabe der zuständigen Gesetze die Verteilung selbst durchführen wird ...„ (Übersetzt aus „Čechoslovák”, London, vom 18. Mai 1945.) In einer von der nationalsozialistischen Partei (Beneš-Partei) herausgegebenen Broschüre „My a Němci” (Wir und die Deutschen), Prag 1945, die von dem Privatsekretär von Beneš in der Zeit des Exils und späteren Justizministers (seit November 1945) Prokop Drtina und dem Redakteur Ivan Herben verfaßt wurde, finden sich u. a. die Sätze: „Der Teufel spricht deutsch (S. 3). Es gibt keine guten Deutschen, es gibt nur schlechte und noch schlimmere (S. 5). Derjenige tschechische Vater, der seine Kinder nicht zum Haß gegen die deutsche Lügenkultur und Unmenschlichkeit erzieht, ist nicht nur ein schlechter Vaterlandsanhänger, sondern auch ein schlechter Vater ... Wie kann man nur ein tschechisches Kind dazu erziehen, solche deutsche Mitmenschen zu lieben? (S. 7). Das ganze deutsche Volk ist für Hitler, Himmler, Henlein und für Frank verantwortlich, und das ganze Volk muß auch die Strafen für die begangenen Verbrechen tragen. Jeder von uns müßte es als inhuman, unmenschlich betrachten, wenn die Deutschen ihrer totalen Bestrafung entgehen würden (S. 13).„ vgl. auch die Rede des Informationsministers vom 29. Mai 1945 in Prag vor tschechischen Kulturschaffenden. (Teilauszug in: Einheit, Nr. 12 vom 16. Juni 1945, zitiert S. 88, Anm. 2.)

vgl. weiter den Artikel „Austreibung ohne Unterschied! Die tschechischen Kommunisten als Vortrupp maßloser Rachepolitik”, Der Sozialdemokrat (London), Nr. 68 vom 31. Mai 1945, S. 1089 ff., in dem weitere Auszüge aus Reden tschechischer Politiker zur Behandlung der Sudetendeutschen zitiert werden.