2 Als Beispiel sei hier der Artikel „Pozor na ‚loyalitu' Němců!” (Vorsicht bei „Loyalität” der Deutschen), Nové Slovo, Nr. 85 vom 15. August 1945 (in deutscher Übersetzung) zitiert:

„Sämtliche Sabotageakte, Gewalttaten und Morde wurden immer von jenen Deutschen ausgeführt, die schon in der ersten Republik mit Hilfe ihrer destruktiven Politik Sabotage getrieben und Gewaltakte verübt haben. Der Deutsche besitzt keine Seele, und die Worte, die er am besten versteht, sind — nach Jan Masaryk — die Salven von Maschinengewehren. Jetzt wehklagen sie, versuchen sich sinnlos zu rechtfertigen, bezeugen ihre Loyalität; es geht aber nicht an, daß man Menschen, die in der Zeit der Tragödie unseres Volkes mit Genugtuung und Sadismus die langen Spalten der hingerichteten Angehörigen unseres Volkes in der Presse verfolgten, die in den frechen Reihen der sogenannten Hitlerjugend als Führer wirkten, die der kläglich eingegangenen SA angehörten und die im Felde gegen unsere jungen Leute und gegen unsere slawischen Brüder kämpften, Gehör zu schenken; wir dürfen uns auch nicht von slawischer Sentimentalität ergreifen lassen. Diese Menschen dürfen keinen Eingang in unsere Reihen finden, mögen sie auch heute wie immer und als was immer ihr Leben fristen. Sagte nicht das Regierungsprogramm mit genügender Deutlichkeit, daß ‚wir uns von den illoyalen Elementen' befreien müssen? Sie waren es

zu 90 %. Ich appelliere hier an jene Herren, die den Deutschen die Staatsbürgerschaft zuerkennen: ‚Ich bitte Sie im Namen unserer Heimat, ich bitte Sie im Namen jener, die gelitten haben, die stark geblieben sind und die schreckliche Zeit der deutschen Gewalttaten überdauerten, verleiht die Staatsbürgerschaft nur jener kleinen Schicht von Deutschen, die sich durch ihre Loyalität und ihre antinazistische Tätigkeit legitimieren kann. Alle anderen sind raffinierte, freche, übermütige, verlogene und blutbefleckte Vertreter und Anbeter der unersättlichen Herrschaft der Vergangenheit, sie wollen sich nur deshalb in unsere Reihen einschleichen, um auch in der Zukunft ihre ekelhafte Tätigkeit weiterführen zu können, die sie von ihrem Führer gelernt haben. Durch Eure Hände sind Menschen gegangen, die bestraft gehören, zum Beispiel die Angehörigen der ehemaligen ‚Schutzpolizei', aber wie groß ist unser Erstaunen, wenn wir diese Verbrecher ohne ,N' erblicken, indem sie mit amtlichen Bescheinigungen winken. Erkennen Sie unsere Enttäuschung, wenn wir Männer sehen, die noch gestern deutsche Polizisten waren und die heute Besitzer eines Betriebes sind und die dazu noch mit deutscher Frechheit behaupten, daß ihnen der Staat jene Schäden ersetzen muß, die ihnen im Zuge der Revolution zugefügt wurden. Wir dürfen uns nicht dadurch verwirren lassen, daß jemand ein paar solcher Bescheinigungen mit wertlosen Unterschriften hat. Ich schlage vor, jene festzuhalten, die bereitwillig solche Unterschriften gaben. Vielleicht erfahren wir dabei einige interessante Dinge.”

Eine Reihe solcher Zeítungsmeldungen und Kommentare, in denen Unglücksfälle als Sabotageakte des Werwolfs erklärt und den Deutschen zur Last gelegt wurden, befindet sich in der Dokumentensammlung. Wie haltlos die in den Jahren 1945/46 in der tschechischen Presse gegen die Deutschen erhobenen Anschuldigungen waren, erläuterte der Redakteur Michal Mareš in seinem Artikel: „Mezi dobrem a zlem” (Zwischen Gut und Böse), in „Duešek” vom 27. Februar 1947, S. 782, indem er darauf hinwies, daß z. B. die in den Nachkriegsjahren im Grenzgebiet häufig vorgekommenen Brände den Deutschen zur Last gelegt wurden, die Beschuldigungen aber verstummten, als sich diese Unglücksfälle auch nach der Aussiedlung der Deutschen wiederholten. — Mareš war einer der schärfsten Kritiker unmenschlicher Maßnahmen gegen die Deutschen in der ČSR, und die Zeitschrift „Dnešek” veröffentlichte als eine der ersten kritische Stimmen zu der diskriminierenden Politik gegenüber den Sudetendeutschen.