6 E. Wiskemann greift in ihrem Buche Germany's Eastern Neighbours, S. 67, die von tschechischer Seite (so von Táborský in der Zeitschrift der sozialistischen Exiltschechen in Wien „Naše Cesta” im April 1954 unter dem Titel „Das historische Alibi des Genossen Jaksch”) vertretene These auf, Wenzel Jaksch, der Sprecher der emigrierten sudetendeutschen Sozialdemokraten, habe durch sein Verhalten Beneš' Angebot einer partiellen Austreibung — unter Schonung der Sozialdemokraten — „als eine Etappe einer wirklichen sozialen Veränderung” zum Scheitern gebracht. Jaksch habe den Vorschlag Beneš' abgewiesen und mehr als Deutscher denn als Marxist empfunden. Diese These ist unzutreffend. Bei Beneš' „Angebot” (gedruckt bei Wenzel Jaksch, Benesch war gewarnt!,
S. 27 ff.) handelte es sich um einen kaum ernstgemeinten taktischen Schachzug, mit dem er Verhandlungen mit den deutschen Exilsozialdemokraten über deren Vertretung im Tschechoslowakischen Staatsrat und über die Aufnahme deutscher Sozialdemokraten in die tschechische Armee beendete. Richtig ist nur, daß es zwischen Jaksch' föderalistischem Programm nationaler Autonomie und Beneš' nationalstaatlichen Vorstellungen keine Brücke gab. Über diese Zusammenhänge wird man von der bevorstehenden Veröffentlichung eines größeren Werkes von Wenzel Jaksch weitere Aufhellung erwarten dürfen.