1 Wir besitzen darüber jetzt das ausgezeichnete, mit großem wissenschaftlichem Ernst und äußerster Genauigkeit geschriebene Buch des Theresienstädter Mitgefangenen H. G. Adler, Theresienstadt 1941—1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Tübingen 1955.

Nach Adler sind von den jüdischen Bewohnern des Protektorats zwischen dem 15. März 1939 und dem 15. Juli 1943 rund 26 100 Personen abgewandert (S. 7). Die Zahl der in Theresienstadt Verstorbenen wird mit 6152 angegeben (S. 45), die der von Theresienstadt Deportierten und größtenteils Umgekommenen mit 60382.

Von den böhmisch-mährischen Juden sprach nur ein Teil Deutsch als Muttersprache. Von den 117 180 Personen, die bei der Volkszählung von 1930 sich konfessionell zur mosaischen Religion bekannten, erklärten sich 42 669 (36 %) als Tschechen, 35657 (30%) als Deutsche und 36778 (31 %) als nationale Juden, von denen über zwei Drittel die deutsche Muttersprache gesprochen haben dürften (Adler, a. a. O., S. 297). Adler stellt einen fortschreitenden Prozeß der Assimilation an das Tschechische fest, der sich seit 1933 noch weiter steigerte (S. 298).