1 Beneš erklärte in Pilsen:
„Die Regierung ist sich der Bedeutung des Verrats der Deutschen und Ungarn im Jahre 1938 wohl bewußt, und sie hat deshalb mit Recht den Beschluß gefaßt, die Republik von diesen verräterischen Elementen zu säubern. Diese Aufgabe ist sehr umfassend, und wir können sie deshalb nicht allein lösen, wir müssen im Einklang mit der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten vorgehen. Ich bezweifle keineswegs, daß es zu einem Einverständnis in der Behandlung dieses wichtigen Problems kommen wird. Es ist uns bekannt, daß die Deuíschen viele Gebiete unseres Landes aus eigenem Antrieb und im Bewußtsein ihrer Schuld verlassen haben, aber in einer Reihe von Fällen hat man auch unserseits nicht korrekt gehandelt. Ich habe deshalb angeordnet, daß diese Mißstände abgestellt werden. Ich richte an euch den Appell, in dieser bedeutsamen Frage Geduld und Vernunft zu zeigen, bis das sudetendeutsche Problem in Übereinstimmung mit unseren Alliierten gelöst wird. Ich kann euch zusichern, daß dieses große Problem eine befriedigende Erledigung finden wird.” s. Keesing's Archiv, Jg. 15 (1945), S. 275 E. Im gleichen Sinne äußerte er sich in einer programmatischen Rede in Melnik am 14. Oktober 1945: „Aber unser ganzes Vorgehen in Sachen ihres [der Deutschen] Abschubes in das Reich muß menschlich, anständig, richtig, moralisch begründet, genau geplant und mit allen Alliierten fest vereinbart sein. Auch hier darf unser Volk seinen Ruf eines demokratischen und menschlich würdigen Regimes durch nichts beflecken. Dies erklärte in vollem Einverständnis mit mir schon gestern der Vorsitzende der Regierung, Fierlinger, im tschechischen Rundfunk, es erklärte dies die Regierung als Gesamtheit, und ich betone dies heute auch selber. Alle untergeordneten Organe, die sich hiergegen versündigen, werden sehr entschieden zur Ordnung gerufen werden. Die Regierung wird in keinem Falle erlauben, daß der gute Ruf der Republik durch unverantwortliche Elemente geschädigt werde. Das wollte ich heute hier euch, aber auch unserer ganzen tschechischen Öffentlichkeit sagen. Die Aufgaben, die unser Staat hat, sind ungeheuer, und es ist notwendig, daß sie uns unbedingt gelingen. Wenn wir uns die große historische Tragweite der Umsetzung der Deutschen, z. B. nur für unseren Staat selbst ausdenken, dann sehen wir, daß dies eine tatsächlich revolutionäre Tat sein wird, die unserem ganzen nationalen Leben einen völlig neuen Charakter geben wird und das wiedergutmachen wird, was in vergangenen Zeiten und in den schweren Zeiten unserer Geschichte gegen uns geschehen ist. Und ähnlicher großer Aufgaben haben wir mehr.” Übersetzt aus „Právo Lidu”, Nr. 131 vom 16. Oktober 1945.