d. Das Schicksal der Deutschen im „Protektorat” in den Tagen des deutschen Zusammenbruchs.

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Die Aufrufe des Prager Senders zur bewaffneten Aktion gegen die Deutschen lösten auch im Protektoratsgebiet, wo in einzelnen Gegenden, wie vor allem im böhmisch-mährischen Hügelland und im Brdy-Wald, in letzter Zeit Partisanen bereits aktiv waren, schlagartig den Aufstand aus. Zentren der Erhebung waren die Städte Kladno, Jungbunzlau, Kolin und Königgrätz. Wie in Prag bildeten die Protektoratspolizei und die Untergrundorganisationen, die vor allem in Kladno von linksradikalen Gruppen beherrscht wurden, die Kader der Aufständischen. Sie erhielten Zulauf von der Jugend des


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Landes, bewaffneten sich mit weggeworfenen oder erbeuteten Waffen, griffen die den amerikanischen Linien zustrebenden deutschen Verbände an und suchten deren Rückzugsstraßen zu blockieren1. Begünstigt durch die Verwirrung unter den zurückflutenden und kampfmüden Truppen konnten die Aufständischen den Rückzug erheblich stören und überlegene Verbände zur Kapitulation zwingen. Das war vorwiegend dort der Fall, wo die deutschen Truppen aus Rücksicht auf die mitgeführten und auf den Straßen befindlichen Flüchtlingstrecks nicht an entschlossene Abwehraktionen denken konnten. Andererseits kam es dort, wo disziplinierte Fronteinheiten angegriffen wurden, zu blutigen Gefechten, in denen die Aufständischen den kürzeren zogen und erhebliche Verluste erlitten2. Um so ärger wüteten sie dann gegen wehrlose Gefangene und Zivilisten, als die sowjetischen Panzerverbände, von Sachsen auf Prag vorstoßend, die Deutschen zur Kapitulation gezwungen hatten.

Zum Verhängnis wurde der Aufstand für die Flüchtlinge aus dem Ostsudetenland, Mähren und Schlesien, die sich zu diesem Zeitpunkt im Protektorat befanden. Je nach Gutdünken der Revolutionsgarde und der örtlichen Machthaber wurden sie entweder interniert oder nach wiederholten Plünderungen in die Nachbarorte und -bezirke abgeschoben, wo sich die Schikanen wiederholten. In kleineren Gruppen oder in riesigen Kolonnen strebten sie ihren Heimatorten zu, waren ständigen Belästigungen durch Sowjetsoldaten und den Haßausbrüchen der tschechischen Bevölkerung ausgesetzt3. Immer wieder wurde unter den Flüchtlingen und Gefangenen nach nationalsozialistischen Funktionären, untergetauchten Angehörigen der SS und des SD gefahndet. Sobald man sie fand oder zu finden glaubte, wurden sie zumeist sofort exekutiert4.

Gleichzeitig setzte gegen die im tschechischen Gebiet beheimateten Deutschen der Sprachinseln von Iglau, Wischau, Brunn eine Verhaftungs- und Internierungswelle ein, von der sie bis Ende Mai bis auf wenige Ausnahmen erfaßt wurden. Die deutsche Bevölkerung Iglaus wurde in der zweiten Mai-Hälfte nach Stadtvierteln zur Internierung ausgehoben und in die Sammellager Altenberg, Obergoß und Helenenthal getrieben, in denen jegliche Voraussetzungen für die Unterbringung ‚und Versorgung solcher Massen fehlten5. Die weiteren Stationen waren Zwangsarbeitseinsatz6 oder Austreibung nach Österreich7. Von der Stadt aus griff die Internierungsaktion auf die deutschen Dörfer der Umgebung über. Soweit die Bauern nicht in dem gro-


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ßen Lager Pattersdorf oder in kleineren Ortslagern interniert wurden, blieben sie als Knechte auf ihren enteigneten und von Tschechen besetzten Höfen oder wurden als Zwangsarbeiter in die benachbarten Gebiete gebracht. Im Laufe des Sommers und Herbstes trieb man noch die letzten in Privatquartieren lebenden Deutschen in die Lager1. In Wischau ist die deutsche Bevölkerung bereits Mitte Mai interniert und zur Zwangsarbeit eingesetzt worden2. Der größte Teil der Brünner Deutschen wurde nach einer vorübergehenden drei- bis fünftägigen Internierung am 30. Mai zum Verlassen der Stadt aufgerufen und im Fußmarsch zur österreichischen Grenze getrieben, und als die österreichischen Grenzwachen den Abschubverhinderten, in Pohrlitz in einem Getreidesilo untergebracht, wo Hunderte an Entkräftung und an einer Epidemie starben3. Die in Brunn Zurückgebliebenen, es handelte sich fast ausschließlich um solche, die gleich nach der Besetzung der Stadt durch die Rote Armee oder nach der Rückkehr von der Flucht in die zahlreichen Lager und Haftanstalten eingewiesen worden


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waren, teilten das Schicksal des gesamten Deutschtums in der ČSR1. Das gleiche gilt für die Deutschen in den übrigen Städten und Dörfern des tschechischen Siedlungsgebietes. Nur die wenigsten von ihnen blieben in ihren Wohnungen oder konnten dorthin bis zu ihrer Ausweisung zurückkehren2.

An diesen Deutschen tobte sich die Erbitterung über das nationalsozialistische Regime im Protektorat aus, als dessen schuldige Träger sie behandelt wurden. Hier im innertschechischen Gebiet wurde die „Reinigung” der Republik von den Deutschen zuerst verwirklicht und griff von dort aus auf die reindeutschen Gebiete über.