V. Die Ausweisung.

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Wie die Sudetendeutschen unterlagen auch die Karpatendeutschen den Ausweisungsbestimmungen der Potsdamer Beschlüsse1. In der Slowakei begannen die Vorbereitungen für die Ausweisung im April 19462, später als in den Sudetenländern3. Zwei zentral gelegene Lager, Nováky4 in der Mittelslowakei — schon aus der Partisanenzeit als Verschleppungslager bekannt — Deutschendorf (Poprad)5 in der Zips, wurden in Sammellager umgewandelt, dazu kam das Lager Engerau in der Westslowakei6. Hier zog man die deutschen Internierten aus allen übrigen Lagern zusammen und schaffte sie in einzelnen Transporten abwechselnd nach Westdeutschland und in die Sowjetzone. Die große Aussiedlungsaktion begann in den letzten Tagen des Juli und endete im September desselben Jahres7. Die Auszusiedelnden wurden, soweit es notwendig war und die Textilien ausreichten, neu eingekleidet. Sie erhielten 1000, später 500 RM8 und durften 50 bis 100 kg Gepäck mitnehmen.

Hervorzuheben ist die Tatsache, daß die beklagenswerten Begleiterscheinungen der Vertreibungsaktionen in den übrigen ost-mitteleuropäischen Gebieten hier im allgemeinen fehlten. Auch ist es weder zu wilden Austreibungsaktionen vor der Potsdamer Konferenz wie in Böhmen und Mähren9, noch zu überstürzten organisierten Ausweisungen wie in Ungarn gekommen10.

Dies lag vor allem daran, daß weder für die politisch führenden Kreise des Slowakentums noch für die tschechoslowakische Regierung die Ausweisung der Karpatendeutschen ein erstrangiges Problem gewesen ist wie die „Endlösung” der sudetendeutschen Frage, der „Odsun”. Die Deutschen der Slowakei selbst haben, nachdem sie entrechtet und enteignet, zum größten Teil interniert waren, ähnlich wie die Sudetendeutschen — trotz mancher freundlicheren Züge ihres Loses — die Ausweisung als das Ende einer bitteren Notzeit empfunden11, so schwer gerade der bäuerlichen Bevölkerung die Trennung von Heimat und Boden wurde.

Vor allem die Internierten empfanden es als Glück, wenn ihnen eine Überweisung in eines der Aussiedlungslager angekündigt wurde. Sie taten


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alles, um möglichst bald einem Transport eingegliedert zu werden. Die außerhalb der Lager arbeitenden Volksdeutschen meldeten sich freiwillig zurück. Selbst die illegal in der Slowakei lebenden und von den Behörden nicht erfaßten Deutschen ließen sich jetzt registrieren und nahmen die zwei bis drei Monate dauernde Wartezeit willig auf sich, um die Ausweisungstransporte nicht zu versäumen. Für sie alle war es zur Gewißheit geworden, daß ein Weiterleben in einem Lande, das keinem Deutschen mehr Bürgerrechte gewährte, auf die Dauer trotz vieler unzerreißbarer persönlicher Bindungen nicht mehr möglich war. So mußten die Deutschen in der Slowakei den gleichen bitteren Weg aus der ihnen gewaltsam entfremdeten Heimat antreten wie die Deutschen in den Sudetenländern.

Die verhältnismäßig spät anlaufende Aussiedlungsaktion in der Slowakei brachte es mit sich, daß viele der Ausgewiesenen in die Sowjetzone Deutschlands kamen, in die gerade zu diesem Zeitpunkt viele Transporte geleitet wurden1. Die Karpatendeutschen, die noch nach der großen Aussiedlungsaktion des Jahres 1946 zurückgeblieben waren — ihre Zahl wird mit 24 000 angegeben2 —, versuchten in den folgenden Jahren zu ihren nach Deutschland ausgesiedelten oder geflohenen Familienangehörigen zu gelangen, was allerdings bei der beschränkten Zahl der Transporte nur wenigen glückte3. Die Mehrzahl von ihnen blieb im Lande unter den gleichen Lebensbedingungen wie die zurückgebliebenen Sudetendeutschen4.


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