1 In einem Brief vom 1. 10. 1959 erklärt der Vf., daß er den Abtransport der Schulkinder zu erwähnen vergaß, und bestätigt die Richtigkeit der folgenden hierzu ergänzenden Angaben aus einem Befragungsbericht nach Aussagen der K. Seh.: "Anfang September 1944 rief uns der Bürgermeister und Ortsleiter Franz
Kneipp im Kulturbundheim (Gasthaus Franz Krickel) zusammen und teilte uns mit, daß wir uns für eine eventuelle Evakuierung bereithalten sollten. Die Evakuierung würde nur vorübergehend sein, sie würde auch nur dann erfolgen, wenn es die militärische Lage erforderte. Vor allem sollten die Fuhrwerke und mitzunehmenden Gegenstände bereitliegen . . . Im Orte bemerkten wir zunächst keine Änderung der militärischen Lage. Die hier stationierten deutschen Truppen blieben. Demzufolge ließen auch die Evakuierungsvorbereitungen nach. Stimmen wurden laut, es sei besser, zu Hause zu blieben; denn man sagte, wenn die Russen ins Banat kommen, dann kommen sie auch nach Deutschland. In beiden Fällen stünden wir dann unter ihrer Herrschaft. Da wäre es besser, zu Hause zu sein. Am 8. September 1944, gegen 11 Uhr gingen ganz unerwartet Melder der Deutschen Mannschaft von Haus zu Haus und sagten, man solle sich bereit halten, es sei soweit, daß ausgewandert werde. Am nächsten Tag ist der Befehl rückgängig gemacht worden. Wir gingen wieder unserer Arbeit nach. Je mehr sich der Evakuierungstag hinausschob, desto schwerer konnte man die Leute zur Evakuierung überreden. Mein Schwiegervater sagte, die Russen seien keine schlechten Leute, er war selbst vier Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft gewesen. Er beherrschte die russische Sprache, so daß er hoffte, sich mit den Russen zu verständigen. - An eine Partisanenherrschaft hatte niemand gedacht. Am 30. September gegen Nachmittag gingen die Melder wieder von Haus zu Haus und gaben bekannt, daß man die Schulkinder vor das Gemeindehaus bringen solle, sie würden nach Deutschland zum weiteren Schulunterricht gebracht. Am 1. Oktober gegen 9 Uhr fanden sich etwa 120 Schulkinder mit ihren Eltern ein. Die Kinder wurden auf 4 Militärlastkraftwagen verladen; sie kamen über Belgrad ins Reich." (Original, 5. Dezember 1952, 6 Seiten, mschr.).