1 ) Es ist anzunehmen, daß man absichtlich darauf verzichtet hat, Deutsche aus dem Gebiet der späteren sowjetischen Besatzungszone zu deportieren, wohingegen die Verschleppung von Deutschen aus den später unter polnische Verwaltung gestellten Gebieten den Russen nicht schadete und den polnischen Ausweisungswünschen entgegenkam. Über die Gründe, die zur Beendigung der Verschleppungsaktion Ende April führten, obwohl sich in manchen Verschleppungslagern, so z. B. in Graudenz, noch Tausende von Deutschen befanden, sind nur Mutmaßungen möglich. Möglicherweise hatte sich die Deportation von Zivilpersonen als wenig gewinnbringend erwiesen, da die Verschleppten schon auf den Transporten nach Rußland durch hohe Sterblichkeit dezimiert wurden. Außerdem bestand gerade zu dieser Zeit für die Sowjets ein Überangebot an Arbeitskräften durch die zahlreichen deutschen Soldaten, die in den Monaten März und April in russische Kriegsgefangenschaft gerieten und meist nach Rußland gebracht wurden.