I. Übergriffe und Gewalttaten der Sowjet-russischen Truppen beim Einzug in Ostdeutschland

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Die Ereignisse, die sich beim ersten Zusammentreffen der siegreichen Truppen der Roten Armee mit der ostdeutschen Bevölkerung abspielten, stellen zweifellos den tiefsten Punkt der Erniedrigung dar, den die Deutschen jenseits von Oder und Neiße erleben mußten. Auf die wenigen Tage der ersten Begegnung mit den russischen Truppen drängt sich in der Erinnerung vieler Vertriebener zusammen, was sie an Schrecklichem seit 1945 in ihrer Heimat erlebt haben.

Daher rührt es, daß in einer so großen Zahl von Erlebnisberichten über die Vertreibung die Tage des Einmarsches der Roten Armee im Mittelpunkt stehen und erlebnismäßig alles andere in den Schatten stellen. Dies war nicht nur eine subjektive Empfindung, sondern entspricht auch der tatsächlichen Schwere der Erlebnisse, die in diese Tage fallen. Massenhafte Vergewaltigungen von Frauen, willkürliche Tötung vieler Deutscher, Raub und Mißhandlung während des Einzuges der Roten Armee sind in einem Maße und in solcher Gleichförmigkeit in allen Gebieten jenseits der Oder und Neiße verübt worden, daß keine Darstellung der Vertreibung daran vorübergehen kann.

Die ins einzelne gehende Wiedergabe dieser Ereignisse beim Einzug der Roten Armee kann dabei den Opfern dieser Zeit überlassen werden, die von ihren Schicksalen berichten. Sie tun es in einer Eindringlichkeit, die von keiner Nacherzählung erreicht werden könnte. Der historische Berichterstatter muß darüber hinaus den Versuch machen, zu einer allgemeinen Aussage über diese Vorkommnisse zu gelangen, das Typische an ihnen herauszustellen und die Triebkräfte und Tendenzen zu erhellen, die eine Erklärung der oft unvorstellbaren Grausamkeiten und unmenschlichen Handlungen geben können, wenngleich uns diese dennoch im Letzten unverständlich bleiben.