Nr. 6: Überrollung durch die Russen auf der Flucht, Rückkehr in die Heimat.

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Erlebnisbericht der Wanda Dijer aus B o r k o w o (Borkenhagen), Kreis S i e r p c (Sichelberg) i. Nordpolen.

Original, 1. November 1951, 4 Seiten. Teilabdruck.

bis zum 18. Januar 1945 war ich in meiner Heimat auf meinem eigenem Grundstik in Borkenhagen, Kr. Sichelberg. Am 21. Januar 1945 erreichten uns die Russen mit unserem Treck in Jaschen. Da waren auch Gleich die Poler da und beraubten unser restliches Hab und Gut, das wir noch mit unseren Geschpanen mit uns führten, so daß ich und meine zwei Kinder, Edith, geb. am 4. Juli 1936, und Helmuth, geb. am 24. Mai 1942, Nur im Hemd und einem Kleit Stehen bliben.

Sogar die schuhe von den Füßen wurden uns runter gezogen Und Holzklumpen hingeworfen, da sagten die Poler, so jetzt könt ihr gehen wo ihr wolt.

Ich begab mir mit meinen beiden Kindern zufus nach meine Heimat zurick. Nur über die Felder misten wir gehen, den auf den Straßen war uns ferboten, es war Tüfer schneh und sehr Kalt, den Kleinen Helmuth mußte ich auf dem Arm und auf dem Pukel schlepen. So gingen wir 3 Tage fast Tak und Nacht, Hungrich u. Durstich, kein Mensch wolle sich unser erbarmen und entweder was zu Essen geben Oder übernachten. Drausen auf dem Felde im Stroh schober misten wir übernachten. Wen wir irgend an ein Haus kamen und baten um ein Stickchen Brot. Denn sakte man uns, ihr seit Nemzes, ihr hätet schon lengst solt erschlagen sein. Kurz vor unsere Kreisstad erwischte uns die Polnische Miliz, wir wurden dann ins Gefengnis geführt. Da wurde beraten, was sie mit uns machen, ob erschisen oder am Leben lasen. Den es baten die Poler einen befel, das sie jeden Deutschen, den sie trefen werden, inerhalb 24 Stunden Erschisen konten oder mit Knipel erschlagen. Es lagen dort schon Berge von Leichen.

Da aber nun die 24 Stunden schon umwaren, So wurde ich mit den Kindern Entlasen. Andem selben Tak ereichten wir dan unsere heimat. Als wir unsere Heimat betraten, da waren schon fremde Leute drin. Wir haten dort wider keine bleibende State. Da wurden wir wider von der Polnische Miliz nach der Gemeinde apgeholt. Dort misten wir die ganzen Aports und die Wohnungen sauber machen, was die Russen u. Poler eingesaut hatten, big dort hin misten wir Täglich 8 km hin u. zurik zufus gehen, Ohne etwas zu Essen dazu noch nichts zum anzihen, Sondern wir wurden noch immer bedroht.

Anschließend schildert Vfn. ihr Leben unter polnischer Herrschaft.