Nr. 116: Gewalttaten sowjetischer Soldaten nach dem Einmarsch, Verschleppung von Dorfbewohnern.

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Erlebnisbericht des Bauern Karl Tiffert aus Lossen, Kreis Brieg i. Niederschles.

Original, 26. September 1952.

Eingangs bemerkt Vf., daß er sich, im Vertrauen auf seine russischen Sprachkenntnisse, mit seinen Leuten der zwangsweisen Evakuierung entzogen habe.

Am 4. Februar 1945, Sonntag, nachdem die Russen über die Oder gesetzt waren, kam es in und um Lossen zu Gefechten, welche sich in der Richtung Grottkau weiter entwickelten; hinter Grottkau stand die deutsche Front. Als die ersten russischen Panzer mit Infanterie ankamen, waren wir sofort Uhren, Ringe und andere Sachen los. Kurz darauf kam Infanterie an, und da war der Teufel los. Sofort wurden die ersten Frauen vergewaltigt, von Kindern von 12 Jahren bis zur Greisin über 80 Jahre, was ich selbst aus nächster Nähe gesehen habe. Mein zweites Dienstmädchen, Helene T., wurde von den Russen dreizehnmal hintereinander gebraucht. Es verging kein Tag, wo es ruhig war. Die jungen Mädchen und Frauen lagen meistens die Nächte im Garten unter den Sträuchern. Setzte sich ein Mann für sie ein, wurde er erschossen oder erschlagen, wie Bauer Hermann Wende erschossen mit Frau und Tochter, Kaufmann Theodor Ruscher und Max Leesch, Max Peisker erschossen. Rentner Schulz mit Frau mit dem Spaten erschlagen. Ein 12 Jahre altes Mädchen wurde von der Mutter geschützt, Mutter erschossen, Mädchen gebraucht. Es gab fast keine Frau, die nicht geschändet wurde. Eine Greisin, Frau Rahn, viermal gebraucht. Frau Schneidermeister Pfeifer aus Jeschen erhängte aus Verzweiflung ihre drei Kinder im Alter von acht bis dreizehn Jahren und sich dann selbst.

Aus dem Dorf Jeschen wurden fast restlos alle männlichen Personen verschleppt und sind verschollen, ebenso aus Lossen, die da waren. Die meisten sind verschollen. Ob Partei oder nicht. In der Villa Buchs war GPU., wo ich selbst vernommen wurde, von 30 Mann sind wir nur 4 Mann, ich auf meine russische Sprache, freigekommen, die andern verschleppt, nichts mehr von ihnen gehört. Das Vieh war im ganzen in einigen Stunden alles raus, so daß alle Wirtschaften bis auf einige Katzen leerstanden. Sämtliches Inventar wurde demoliert. Die evangelische Kirche war total ausgeräumt, in der katholischen Tabernakel erbrochen und sämtliche kirchlichen Sachen lagen verstreut im Park und Dorf im Dreck. Viele Gebäude angezündet.


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Die toten Deutschen lagen, ebenso Vieh, bis zur Ernte rum. Es konnte sich ja niemand auf die Straße wagen, wollte er nicht verschleppt werden. Die Felder waren außer Winterweizen und Roggen nicht bestellt, und dieses ernteten die Russen. Von den Deutschen, die bei den Russen arbeiteten, bekam jeder auf den Tag ein Brot, die andern nichts. Zu kaufen gab es nichts, sämtliche Geschäfte ausgeräumt; da war das Schlimmste: kein Salz, die Leute nahmen dann Kali und starben dann an Typhus wie die Fliegen. — Man kann fast jedes Haus durchgehen, wo nicht einer fehlt.

Es folgen noch einige Angaben, die die Verhältnisse unter polnischer Verwaltung charakterisieren.