Befragungsbericht nach Aussagen eines Landwirts aus dem Bezirk Mohács im Komitat Baranya.
Original, 3. September 1953, 5 Seiten, mschr. Teilabdruck.
In einleitenden Angaben über den Heimatort, wo Berichterstatter ein 26 Katastraljoch1 großes Anwesen besaß, wird u. a. erwähnt, daß nur etwa 20% der deutschen Einwohner im Volksbund organisiert waren. Bei der politischen Gleichgültigkeit der Bewohner trugen vereinzelte Auseinandersetzungen nur persönlichen Charakter und fanden allgemein geringe Anteilnahme.
Als im Jahre 1944 der Einfluß des Deutschen Reiches in Ungarn größer wurde2, nahm auch der Einfluß des Volksbundes zu, wodurch die Spannung im Orte größer wurde. Der Volksbund wünschte, daß mehr Leute in den Volksbund einträten und auch zum deutschen Heer einrückten. Bis 1944 waren nicht besonders viel Männer eingerückt, und jene Deutschen, die mehr madjarisch gesinnt aber Deutsche waren, weigerten sich, zum deutschen Heer einzurücken.
Im Oktober 1944 sollten alle Deutschen bis zum 50. Lebensjahr gemustert und zum deutschen Heer eingezogen werden. Viele haben sich lieber freiwillig zum ungarischen Heer gemeldet. Ich kam mit vielen anderen im Oktober 1944 zum Arbeitsdienst. Wir hatten uns zum ungarischen Heer
gemeldet, wurden aber wegen der Abmachungen zwischen dem Deutschen Reich und Ungarn von den ungarischen Behörden nicht in das ungarische Heer, sondern nur in den Arbeitsdienst aufgenommen1.
Eines Tages erschien auf unserem Arbeitsplatz bei Fünfkirchen die Gestapo. Als wir versuchten davonzulaufen, riefen sie uns zu: „Kommt's nur, kommt's”. Wir waren unserer 15 Leute, zumeist aus unserem Heimatort. Wir wurden drei Tage lang in Fünfkirchen im Polizeiarrest (rendörlaktanya; wenn ich mich gut erinnere, war sie in der Malom utca) festgehalten, und dann auf Lastautos verladen und in Begleitung deutscher Soldaten nach Dárda2 gebracht, wo wir gemustert wurden. Einige kamen zur Kampftruppe, die meisten aber wieder zum Arbeitsdienst.
Mein Bruder kam auch zur Kampftruppe, wurde sofort nach Esseg (Kroatien) gebracht und von dort an die Front. Bei Kriegsende ist mein Bruder bei Marburg (Slowenien) in Gefangenschaft geraten. Wie er mir erzählte, haben sie von den Partisanen harte Schläge bekommen und wurden arg mißhandelt3. Da er ungarischer Staatsbürger war, ist er mit anderen in Maria-Theresiopel (Subotica, Szabadka) den Madjaren übergeben worden. Die Madjaren führten sie nach Budapest, haben sie dort eingesperrt und dann in die Sowjetzone Deutschlands abgeschoben. Später ist auch seine Familie dorthin ausgewiesen worden.
Wir dagegen, die für den Arbeitsdienst tauglich befunden wurden, sind von Dárda aus mit dem Ziel Wien einwaggoniert worden. Wir kamen aber nur bis Steinamanger, wo unser Zug von russischen Fliegern angegriffen wurde. Wir liefen auseinander, der Zug fuhr ohne uns ab, und wir kehrten nach Hause zurück. Ich glaube kaum, daß jemand wieder den Zug bestieg und nach Wien gefahren ist. Nach meiner Ankunft zu Hause hielt ich mich 14 Tage verborgen, da bei uns deutsches Militär war. Nachher ging ich meiner Feldarbeit nach, und niemand kümmerte sich um mich.
Daran anschließend berichtet Vf. über den Russeneinmarsch und über die Vorgänge bei der Aussiedlung im September 1947.