Nr. 22: Die Not einer zur Zwangsarbeit nach Rußland verschleppten Deutschen aus Bikal.

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Brief der Frau Elisabeth Löbl aus Bikal, Bezirk Hegyhát im Komitat Baranya.

Original, 3. April 19461, hschr.

In Gottes Namen Neme ich das Blei in die Hand, um euch meine Lieben in der Heimaht zu Schreiben. Lieber Vatter, Grosmutter und Geschwister mit Traurig tifbetrüten Herzen wil ich euch mein schlites Leben miteilen in der Ferne, ich fühle mich ja so ferlasen, aber ich Hoffe, es wird fileicht eimal meine Schtunde kommen, woich mich mit euch Lieben in der Heimaht trefen kan. disen Brief Schike ich mit meinen Kammeraden, die das klük haben, in die Liebe Heimaht zu kehren, und sich mit iren Angehörigen daheim klüklich zu fihlen, und ich mus hir mein Junges Leben weiter in disem elend zubringen, aber wen mich nur der Liebe Gott am Leben Läst, filleicht komt die Schtunde auch für mich ein mal. Lieber Vatter, Grosmutter und Geschwister, jezt wihl ich euch ein wenig fon meinem Leben schreiben, wi es mir schon gegangen ist. es fält mir ja schwer, ir könt euch wohl denken. Wir sind hir in der ärmste gegent Ruslands. Hir Lebt am jeder Mensch fon


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Brod, gascha und wasser. hir ist weiter niks als Öll. die kost ist sehr schwach, wir bekomen nur täglich 2 mal zu essen und dazu jedes mal wenig. ir könt euch garnicht forsten, wi grosen Hunger ich schon gelitten habe, das habe ich mir in meinem Leben nicht forgestelt, das man mit so wenig, man kan fast sagen garniks, auch Leben kan. Hir geht es nur dem guht, der was guht Schielen und Lügen kan, un das kan ich nicht. darum könt ir euch auch denken, wi ich ausehe. meine gesuntheit ist im schlechten zuschtand. das weitere wil ich euch nicht schreiben, meine 2 Kammeraden werden euch schon alles erzälen. die grosen Sorgen was ich mir hir mache über meinen Bruder und über meine Schwester, ob er noch Lebt oder schon zuhause ist, und meine Schwester, ob sie diese nicht fileicht auch noch mitgenomen haben und si fileicht auch in so einem elend ist. es wäre doch genuk mit mir. man kan sich garnicht zurecht finden, wen man solange niks fon zuhause weis. wir gehen auf die Arbeit, fast jeden tag auf einen andern Blaz. das weitere werde ich euch schon erzälen. ich lasse alle Freunde, Nachbarn und alle, die nach mir Fragen, recht schön grüsen, ich hoffe gesund sind si fileit noch alle. so schlise ich mein Schreiben. Gott soll dises Briflein in eure Hände Begleiten.

Im Frühjahr wird die Erde grühn und die Wander Vögel ziehn in die Alte Heimaht ein. fileicht wird für uns Balt ein Widersehn in der Lieben Heimaht sen. Zum schlus noch fìhl Herzliche grüse an euch, Lieber Vatter, Grosmutter und geschwister fon mir aus dem Fernen Osten. Elisabeth Löbel.