Befragungsbericht nach Aussagen der A. H. aus Bikal, Bezirk Hegyhát im Komitat Baranya.
Original, 4. Juni 1953, 5 Seiten, hschr. Teilabdruck.
Berichterstatterin schildert zunächst die allgemeinen Verhältnisse in Bikal, daran anschließend die Evakuierung des Ortes und fährt dann fort:
Am 28. November 1944 wurde durch Trommelschlag bekanntgegeben, daß sich die Sowjets bereits um Fünfkirchen befinden. Es solle jeder, der es nur könne, flüchten; in einigen Stunden sei es bereits zu spät.
Es haben sich insgesamt nur 13 Familien entschlossen, dem Aufruf Folge zu leisten. Sie hatten aber zum Teil kein Glück, denn sie wurden entweder auf der Flucht von sowjetischen Einheiten eingeholt oder von denselben nach dem Kriege aus der Tschechoslowakei, wo sie sich nach der Flucht aufhielten, nach Ungarn zurücktransportiert. Bei den Geflüchteten handelt es sich unter anderen um die Familien Karl, Zulauf, Binder, Loos.
Die Russen besetzten am 29. November 1944, 20 Uhr 30 den Ort, nachdem es vorher auf dem Berge Sobak zu einem kleineren Feuergefecht gekommen war.
Obwohl man nun eine sowjetische Schreckensherrschaft erwartete, so kann man zumindest in unserem Ort bis zur Deportierung nicht davon sprechen. Es wurde nur sehr viel requiriert, besonders Pferde und Fuhrwerke. Die Beschlagnahme erfolgte stets unter Beiziehung eines Gemeinderatsmitgliedes. Die Zeit bis zu Weihnachten verlief verhältnismässig ruhig, zumal unser Ort etwas abgelegen war und keine russischen Kommandanten beherbergte.
In der Nacht vom 23. auf 24. Dezember 1944 weilte auch unser Notär in Sásd, wo sich die Notäre des Kreises auf der russischen Komandantur zum Befehlsempfang eingefunden hatten. Schon am nächsten Morgen wurde bekanntgegeben, dass sich die Frauen von 17 bis 35 und die Männer von 17 bis 45 Jahren in Sásd zu einem Arbeitsdienst, angeblich zur Mais-Aktion in der Batschka, einzufinden haben. Zu einem kleinen Aufruhr kam es, als es bekannt wurde, daß von der Liste viele gestrichen wurden, bei denen aber die Voraussetzungen vorgelegen haben. Es handelte sich vorwiegend um Personen katholischen Glaubens, wobei der Notär einfach so argumentieren wollte, daß die Evangelischen mehr deutsch als die Katholischen gewesen seien. Die Betroffenen erklärten kurzerhand, daß sie sich nicht stellen werden. Der Notär erwiderte: „Die Deutschen haben den Krieg verloren, sie müssen gehen”.
Erst nachdem die Russen mit Zwangsmaßnahmen drohten und Anzeigen erstattet wurden, entschloß man sich zu gewissen Korrekturen. Die Russen sagten — es verstrichen inzwischen zwei Tage —: „Wer nicht Folge leistet, wird kraft Gesetzes erschossen”.
In Sásd kamen wir vor eine russische Kommission, der Kreisarzt Dr. Palmai und der Dolmetscher Adam aus Mágocs, genannt Zigeuner, beigeordnet waren. Adam hatte eine gebürtige Russin zur Frau, konnte selbst etwas Russisch, und man konnte sich bei ihm gegen Entgelt loskaufen. Verwerfliches kann ich von ihm nicht berichten. Als die Situation erkannt wurde, haben viele das Weite gesucht und zwar mit Glück, z. B. Johann Schwarz, Johann Gärtner, Adam Zart, Milbert-Schneider.
Der Deportation fielen aus unserem Orte 45 Frauen und 17 Männer zum Opfer, die in zwei Transporten das Land verlassen haben. Der erste fuhr über Fünfkirchen. Der zweite, dem ich angehörte, verließ Ungarn über Dombovár.