Erlebnisbericht eines volksdeutschen Gemeinderichters2 aus dem Komitat Arad.
Original, 4. April 1955, 8 Seiten, hschr.
die Russen sind in Monat September 1944, an den datum kan ich mich nicht mer erinnern3, in unseren Dorf in einen Sontag Nachmitag ein maschirt und haben die front in der gemeinde aufgestelt. in allen gassen waren die Kanonen aufgestelt, und am rande des Dorfes war die Schwarmlinie und die Stalinargona4 aufgestelt, und die front war 13. tag lang in Dorf. und weil ich doch Richter war, — also was die Russen alles von mir ferlangt haben, das ist nicht zu beschreiben, und meiste nur in der Nacht.
ich habe mich nicht mer einmal mer ausgecogen am abend, nur so habe ich mich auf den Kanape gelegt, weil ich doch gewust habe, das sie mich wider einmal oder zweimal hollen in der Nacht, wen nicht vor Mitternacht, dan Nach Mitternacht. sie sind nur zum fenster gekomen und haben geklopft, ich sol komen, natürlich zum Tolmäcser1, weil ich doch habe mit ihnen nicht sprechen [gekonnt] und ein Tolmäcser habe ich in der Gemeinde [nicht] gehabt. und am meisten haben sie nur Wein gebraucht, oder Schnaps, auch Brod und spek, aber meisten Winó oder Raki2, die waren immer tol und voll. der Wein u. Schnaps hat das gröste Maler in der gemeinde gemacht. viele Leute haben ihren Wein von die Fässer heraus rinnen lassen, um den Maler auszuweihen, weil die Waren so wie Wild, wen sie Tol u. Voll waren. sonst waren die Russen keine unrechte Leute. umsonst habe ich zu ihnen gesagt, ject in der Nacht kan man kein Wein hollen, die Leute Schlafen doch alle. dan sind sie noch fuchs Wild geworden, und haben gesagt, sie sollen nicht Schlafen, wir Schlafen auch nicht, es ist doch Resboj3. dan bin ich als in der finstre Nacht herum gelaufen und habe als die 4 Geschworner4 aufgewekt, um in Dorf herum laufen, Wein zu samein, und die gassen Waren doch alle Voll mit Russen und Kanonen, ich weis nur nicht, wie mir nichst pasirt ist, weil man doch mit ihnen nicht sprechen hat können.
dan haben sie in ein groses Haus ein Krigsgefangeneslager gemacht, wo sie die Ungarische Krigsgefangene hinein haben. wegen dem haben wir auch mit die 4 geschworner herum laufen müssen in der gemeinde, vür die arme gefangene Brot und Spek zu Sameln, damit die arme nicht ferhungern müssen. und endlich habe ich mit ein par bessere Leute besprochen, wir werden vür die arme selber Brod backen, damit man nicht immer in Dorf sameln müssen; und auch Spek und Wurst haben wir ihnen hingetragen, und wen ich als hin gekomen bin, dan haben sie als gesagt: nagyon szépen köszönjük biró úr, a szép jó kenyérér és a szalonáér5. es waren cirka 90—100 schon im lager, es waren auch etliche Officire dabei.
dan 2. tag befor die front von der gemeinde vorgerükt ist, da sind die Russen von dem Lager in der frü um 4 Uhr zu mir gekomen und haben gesagt, sie brauchen bis 400 kg brot vür die gefangene auf den Weg, weil sie Maschiren um 8 uhr ab, auf Rusland zu. ja was mache ich jezt in so kurzer zeit, wo so viel Brod her hollen. da bin ich zum Brod bäcker und habe ihm gefragt, ob er kein backenes Brod hat. dan hat er gesagt: van biró úr 300—400 kiló, de ezt lefoglalta egy orosz Tiszt, azt mondto hogy 10. ora felè jön érte, a Kemencébenis még van anyi, de az csak 11. ora fele lehet kivenni6, hat der bäcker zu mir gesagt. dan habe ich zu ihm gesagt: das neme ich, und der Officir soll dan das, was in Ofen ist, nehmen. so habe ich wider etwas glück gehabt, aber nur so, weil der Oficir erst mitag komen ist um
den brod. aber wen er um 10 uhr gekomen währe, so wie er gesagt hat, dan weis ich nicht, was der mit mir gemacht hätte, weil ich sein Brod genomen habe. mit ein Wort, es ist gut herum gegangen, und um 8 Uhr sind die arme gefangene gegen Rusland abmaschirt. die Arme haben mit augen vollen Trähnen mir zu gerufen: Isten magával Biró úr, es Isten Veled szèp Magyar orszag1. ob wol die auch noch einmal alle zurük gekomen sind zu ihren Eltern odar Familien? oder ob sie überhaupt noch beim Leben sind?
das war am einen Mitwoch früh um 8 uhr, da dachte, ich wider hätte ich ein groses Kreutz herunter, aber es dauerte nur bis am Donnerstag in der Nacht um 12. uhr, da Klopft wider jemand bei mein fenster, ich gehe hin, richtig, steht draus wider ein Russe und Roft auf mich: Stari haidi2. ich gehe hinaus, es War ein Kosakischer Hauptmann. hat er zu mir gesagt, er hatte etwas Rumänisch mit mir gesprochen, aber auch Tol und Vol war er. er hat mich in arfel genomen, und hat mich zum Tolmäcser gerufen, und so hat er beim Tolmäcser mir den Befel gegeben, er braucht bis morgen früh um 8 uhr 250. Mtz3 hafer, weil er ist heute Nacht mit 1000 Pferde gekomen, und die brauchen Futter. dan habe ich gesagt, in unseren Dorf ist nicht einmal so viel hafer gewachsen. dan sagter, es ist egál, ob es hafer, gerste, oder Mais ist. dan habe ich zu ihm gesagt — weil er doch ein haus bestimt hat, wo wir das futter hin bringen sollen, in der hauptgasse, wo die gasse so vol war mit Pferde, Kanonen, und Trän, das man nicht einmal gehen hat können — wie sollen wir das futter hin führen, man kan doch nicht fahren. dan sakt er, auf den rücken, es ist Rezboj. dan sagte er, dort wird es abgewogen, und in Rumänischen geld mit Maximalpreis ausgezalt. dan habe ich mir gedenkt, du wärest der Erste Russ, wo was auszalt. und so war es auch, er hat auch nicht gewogen und nicht bezahlt. und dan bin halt ich wider in der Nacht um 1. uhr in der finsternisz herumgelaufen, die 4. Geschworner auf zu wecken, um in Dorf herum laufen, das die leute mit ein schup Karen4, je nach dem wie er kan, l—2. Sack gerste oder Kukrutz5 dort hin bringen. und so haben die Leute halt mit die Schupkaren gebracht. dan früh um 7. uhr bin ich hingegangen, ob wohl schon jemand dort ist mit futter und richtig, waren schon bis 30. Leute dort, ein jeder mit l—2. Sak voll und der Oficir ist nicht gekommen bis um 9. uhr, aber auch schon wider Tol und vol. und bis er gekomen ist wahren fileicht schon bis 50. Leute dort, ein jeder mit l—2. Sak vol. und wie er hin komen ist, hatte er mich wider in Arfel genomen, und hat mich bal geküst und hat gesagt: Karascha6. aber man hat glaubt es ist ein Schnapsfas, so hat er nach Schnaps geruchen. der hat geglaubt, wie er die Leute dort gesehen hat, die haben schon 500. Mtz gebracht, u. nicht 250., so wie er ferlangt. da siet man es, was die Russen in so was sich auskennen. ich habe sie ganz gut kennenlernen was sie sind. dan hat er gesagt, wir sollen es dort auf den gank ausleren. von Wägen hat er nichts mehr gesagt. ich habe doch die Leute aufgeschriben, wie viel er gebracht hat, 1. oder 2. Säck, genug dazu. wie wir den 71.ten sak ausgelert
haben, ist er in lauf gekomen, und hat zu mir gesagt: Dosta Stari1, es ist genug, die andre könen mit ihren Säken vol zuhaus gehen und sagt zu mir: sie gehen jezt bis Budapest, und wen er in 8. tag nicht komt um den futter, dan soll ich mit den futter machen, was ich will.
und richtig, auf einmal hat ein hornist geblasen, und schon alles wie ein Blitz ist alles gerand, so die Arteleri, wie die Viele Kosaken, gegen zu, aber alles in galop, auf einmal war die Gemeinde Leer von denen vielen Russen, die haben unter denen 13. tag viel maler gemacht, über haupt solche Leute, was große Mädel gehabt haben, aber so sonst ist nicht viel pasirt. blos 2. Leute haben die Russen in ihren eigenen häuser erschossen, und das hat auch nur der Schnaps und Wein mitgebracht. und wie dan die 8. tag herum waren und mein Kosak ist nicht um den Futter komen, habe ich es in gemeinde haus führen lassen, und es ist mir richtig gut gekommen, weil es sind doch immer noch so kleine Trän durchgefahren, und die sind alle beim gemeinde haus Stehen gebliben und haben futter ferlangt, 2—3 Zentner, aber von Zahlen hat keiner nichst gesagt. also das war auch herum.
dan im Monat Nowember haben wir ein Rusisches Komando bekomen, und das hat sich Wis a wie von Gemeindehaus einquatirt. es wahren immer bis 30. personen, und die hat die Gemeinde ferpflegen müssen, die haben 3. Köhin gebraucht. umsonst habe ich gesagt, es sind 2. Köhin auch genug; nein, es müssen 3. sein. es war nur ein Oficir, die andre wahren nur manschaft. was die der Gemeinde vür Geld gekostet haben! ein fleischhauer hat nur mit ihnen zu tun gehabt. es war nur gut, das wir zimlich geld in der Kassa gehabt haben, sonst weis ich nicht, was ich gemacht hätte, den Steuer hat doch niemand gezahlt.
aber ich kan sagen, der Komadant hat mich sehr gerne gehabt, hat auch mich unter stüct, wo er nur gekont hat. die komunisten haben mich beleiden därfen. die Komunisten haben mich einmal von mein Dinst entlassen wollen, und ein hinein von ihren guten Leuten. und wie der Komandant [das] gehört hat, dan hat er mich zu ihm gerufen und hat mich gefragt, ob es wahr ist, das die Komunisten ein andre Richter haben wollen. dan habe ich gesagt: ja, heute soll ich schon übergeben meine Stell. dan hat er sofort den Komunisten führer hollen lassen, aber was hat der mit dem gemacht, vor mir, das war nicht mehr schön. er hat zu ihm gesagt: der alte komt nur so von gemeindehaus heraus wen er Stirbt, oder wan ich nicht mehr hier bin. und so wahr es auch.
und in December sind die g.p.u. gekomen, 13. Oficiren, die haben dan die junge Leute fort nach Ukrajna ferschleppt. die wahren auch alle 13. sehr gut zu mihr, nur halt viel sorge haben sie mir gemacht. aber sie haben es eingesehen, das ich viel sorge und arbeit habe. ais haben als auch mir mit geholfen, was sie könt haben. sie haben doch rund 1100. Leute ferschlept. und da habe ich doch 40. Wagon herichten müssen mit Bricsen2 vür drauf legen und in ein jeden Wagon ein Ofen. und ich habe mich dan bei Major
von g.p.u. beglagt, ich finde in der Gemeinde nicht so viel Starke Bretter vür die Bricse machen. dan hat er zu mir gesagt: ich soll von die häuser wo die Leute vor ihnen geflüchtet sind, ihr Fusboten auf reisen. dan habe ich gesagt: die sin nicht vür so was, die sind doch zu schwach, da braucht man Pfosten. dan hat er von 6. Wagen voll bringen lassen. dan hat er mich gefragt, ob die gut sind. ja, sage ich, solche braucht man. sonst weis ich nicht was ich gemacht hätte. aber der Major hat mir geholfen, tag und Nacht ist draus der Bahn mit den Wagon herrichten gearbeitet worden. alle holzarbeiter, was in der gemeinde nur wahren, haben draus arbeiten müssen, ob er Tischler oder Wagner oder Zimmermann war, und wegen die Öfen haben auch alle Maschanisten arbeiten müssen, weil spengler war nur einer in der gemeinde. und weil doch kein Blech nicht zu bekomen war, habe ich die dachrinnen von solche häuser herunter nehmen lassen, wo die eigentümer geflüchtet sein. dan habe ich noch l wagen mit bren holz und ein Wagon mit Fleisch u. Spek schiken müssen, aber ob unsere Leute das bekomen haben, das ist kaum zum glauben. so viel wie ich mit gemacht habe mit die dene Russen, hat in der Gemeinde niemand mit gemacht, und mit das war wider ein Kreutz herunten, aber jezt komt das andre Kreutz.
draus auf der Hotter1 ist doch noch der Kukrutz (Mais) gestanden von 1944, cirka 4—5000. Katjoch2, und in Monat Feber habe ich den Befel von die Russen bekomen, den Kukrutz zu brechen. die ganze Gemeinde von 16. jahr bis 60. jahr mus hinaus brechen. da kan sich der Mensch forstellen, was das vür eine Arbeit war, alle tag bis 500—600. Leute hinaus führen. es war doch auch 15. klm. zu fahren, da hat man doch als bis 100. Wägen gebraucht.
das war schon bald das größte Kreutz, und die Russen haben immer gesagt zu mir, sie Wissen nicht, sie sehen keine inteligenz brechen gehen oder due ich die Inteligenz schonen? nur auf die Hern haben sie ihre augen gehabt.
solche Leute wie die Russen habe ich in mein Leben noch nicht gesehen, so dum, oder wie ich es nur heraus sagen soll, aber ich habe sie endlich kennen Lernen. alle tag sind sie komen und haben zu mir gesagt, morgen früh um 7. uhr brauchen sie 60. 70. 100 Wägen, und 200—300. leut. und wan dan am andren [Tag] 20. Wägen und 40. Leute waren, und nicht um 7. uhr, sonder um 9. uhr, dan war es auch (Karschó Stari3). und so ist das Kukrutz brechen auch endlich fertig geworden, nur alles ist drauf auf die Äcker herum gelegen. ein jeder [der] was braucht, hat sich hollen könen, so eine Weld haben wir gehabt. und dan, am Sommer, haben ich ihm herein führen lassen, 2. fuhr vür der Gemeinde, und eine fuhr vür ihm, wo ihm gefürt hat. in der gemeinde hat es doch genug Kukrutz Körbe gegeben wo ich ihm hinein habe, mit ein Wort, ein jeder was nur Kukrutz braucht hat, hat gehabt, wen er nicht zuvaul war, sich zu hollen, den die Hotter ist voll gelegen. aber ich glaube, heute werden sie kein haben, nicht einmal zum
fressen, und am Sommer ist er abgerüpelt worden und die Russen haben ihm alles fort, die werden nie und nie fergessen, wie viel hunderte Wagon frucht und Kukrutz und wie viel tausende Kühe, Pferde, und Schweine das sie von hier fort haben.
Vf. berichtet abschließend von der Übernahme der Verwaltung durch die Kommunistische Partei, sowie über seine Internierung und Aussiedlung am 24. April 1946.