Nr. 18: Drangsalierung der volksdeutschen Bevölkerung von Katymár durch serbische Partisanen; Verschleppungsaktionen von Januar bis März 1945.

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Befragungsbericht nach Aussagen von Josef Schweller aus Katymár, Bezirk Bácsalmás im Komitat Bács-Bodrog.

Original, 27. November 1954, 10 Seiten, mschr. Teilabdruck.

Einleitend gibt Berichterstatter einen Einblick in die politischen Spannungen unter den Volksdeutschen seines Heimatortes und schildert anschließend die Durchführung der Evakuierung im September 19441.

Die ungarischen Behörden waren geflüchtet, und noch vor dem Eintreffen der Russen ergriffen die Partisanen die Herrschaft. Sie waren mit russischen Waffen versehen. In Katymár traten die dortigen jungen Serben, die sich als Partisanen gebärdeten, als Ordnungsmacht auf. Von den 15 Mitgliedern der Ortspolizei gingen drei Serben zu den Partisanen über. Der Polizeichef war Volksdeutscher wie die Mehrheit der Polizei. Auch gab es unter ihnen zwei Ungarn. Die meisten flüchteten. Wenngleich sich die Partisanen des Ortes allerlei Gewaltakte und Übergriffe leisteten, so wurde unsere Familie von ihnen geduldet und erlitt zunächst keine besonderen Nachteile. Ihre besondere Wut richtete sich gegen die Volksbündler, soweit sie noch im Dorfe waren, und es wurde am laufenden Band gebrandschatzt. Von Mordtaten ist mir nichts bekannt. Gefährlich waren die Partisanen der anderen Dörfer und Partisanengruppen, die aus Jugoslawien zeitweilig herüberkamen und die Bevölkerung terrorisierten.

Ende September überrollte uns die russische Front, doch kamen in die Nachbardörfer nur einzelne kleinere Einheiten, das Gros der Kampftruppen zog nicht durch diese Orte. Es begannen nun die Plünderungen und Vergewaltigungen, wie sie aus den Erzählungen aller Menschen, die schon vorher ähnliche russische Besatzungen erlebt hatten, uns allen bekannt waren. Die russische Soldateska nahm sich nach Bedarf mit Gewalt alles, was sie brauchte. Von den Partisanen wurde sie insbesondere auf Volksdeutsche gehetzt. So waren diese die ersten, die ihr Hab und Gut einbüßten. In der Folge machten die Rotarmisten keine Unterschiede nach Nation oder Partei. Sie plünderten überall und alles, was ihnen unterkam. Auch die Vergewaltigungen richteten sich gegen die serbischen und ungarischen Frauen genau so wie gegen deutsche. Auch kannten sie keine Altersgrenze, weder nach unten noch nach oben. An Mordtaten ist mir nur ein einziger Fall bekannt geworden, wo die Russen einen Serben erschossen, der seine Tochter vor den Zudringlichkeiten und Brutalitäten der Rotarmisten zu schützen versuchte.

In der Nacht vom 18. auf den 19. 11. 1944 tauchte auf unserem abseits gelegenen Gehöft eine fremde Partisanengruppe aus dem benachbarten Regöce auf, nahmen eine Hausdurchsuchung vor und forderten meinen


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Vater auf mitzukommen, weil sie ihn zu irgendwelcher Arbeitsleistung brauchten. Alle Einwendungen und alles Bitten und Flehen nützte nichts. Er mußte mit ihnen. Wir verständigten sofort die uns bekannten serbischen Partisanen des Nachbardorfes, und einige von ihnen, mit denen wir näher bekannt waren, erklärten sich bereit, meinen Vater aus den Händen seiner Entführer zu befreien. Sie machten sich auch auf den Weg. Unglücklicherweise aber begann in dieser Nacht der Durchmarsch einer großen russischen Kampfeinheit. Alle Straßen waren von den Sowjettruppen überflutet, so daß sich die Suche nach den Menschenräubern vorerst als ergebnislos erwies, und als zwei Tage später die Straßen wieder frei waren, waren die Partisanen mit meinem Vater bereits nach Jugoslawien verschwunden. Den verschiedenen Versuchen nach dem Verbleib des Vaters zu forschen, wurde Mitte Dezember durch Absperrung der jugoslawischen Grenze ein Ende gemacht. Wir haben von unserem Vater nie mehr etwas gehört oder gesehen und müssen annehmen, daß er ebenso wie viele tausend andere Volksdeutsche sein Leben verlor, obwohl er weder mittelbar noch unmittelbar an irgendwelchen Maßnahmen oder Taten beteiligt war, die einen Racheakt begründet hätten.

An weiteren Verschleppungen durch die serbischen Partisanen ist mir nur noch ein Fall bekannt, der sich mit einem Volksdeutschen namens Anton Müller unter ähnlichen Umständen abspielte, wie die Entführung meines Vaters.

An den nächstfolgenden Monaten dauerten die Plünderungen an. Der Herbstweizen war schon bestellt gewesen als die Russen kamen, eine weitere landwirtschaftliche Arbeit war in den vollständig ausgeplünderten Wirtschaften nicht möglich. Die Dorfinsassen und auch meine Mutter und ich lebten von den versteckten Vorräten, die wir noch hatten. Im Jahre 1945 wurde dann überhaupt nichts mehr angebaut. Was noch irgendwie übrig blieb, fiel im Frühjahr 1945 der einsetzenden systematischen Requirierung der Russen zum Opfer.

In der Nacht vom 14. auf den 15. 1. 1945 wurden überfallsartig die Volksdeutschen des Dorfes Katymár zur Deportation nach Russland zusammengetrieben. Die serbischen Partisanen fuhren mit ihren Wagen von Haus zu Haus und fingen alle arbeitsfähigen Männer und Frauen deutscher Muttersprache zusammen. Angeblich galt die von den Russen erlassene Verfügung zu diesen Deportationen in die sowjetischen Bergwerke nur für bestimmte Jahresklassen — ich weiß nicht welche1. — Die von russischen Soldaten begleiteten Partisanen hielten sich aber offenbar wenig an solche Beschränkungen. Sie konnten allerdings nur einen Teil der Menschen einfangen, weil die meisten sich, gewarnt von den im Dorf begonnenen Aushebungen, geflüchtet hatten und versteckt hielten. Der erste Transport, der schon am 15. 1. abging, umfaßte daher nur etwa 160 Menschen. Sie wurden


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in das östlich gelegene Bácsalmás geführt, mit anderen Transporten vereinigt und nach Rußland weitergeleitet.

Ein zweiter Transport von etwa 120 Personen ging einige Wochen später ab. Das Einfangen der Menschen, d. h. der Deutschen und die teilweise gelungenen Fluchtversuche wiederholten sich nach dem Beispiel des ersten Transportes. Ich war mittlerweile 16 Jahre alt geworden und mußte befürchten, auch verschleppt zu werden, und so hielt ich mich verborgen, genau gesagt, ich schlief des nachts bei bekannten Serben, denn tagsüber kam es zu solchen Menschenjagden nicht.

Ende März 1945 geriet ich aber trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch in eine zur Deportation zusammengefangene Gruppe. Die Partisanen kamen, um meine Mutter, die damals 36 Jahre alt war, abzuholen, und da sie abwesend war, nahmen sie mich als Geisel mit und verkündeten, daß ich freigelassen würde, wenn sich meine Mutter meldete. Meine Mutter meldete sich daraufhin, aber sie behielten uns beide. Wir waren mit einer kleinen Gruppe Volksdeutscher in der Schule gefangen. Diesmal gelang es ihnen aber nicht, eine größere Anzahl von Volksdeutschen zusammenzufangen. Ein russischer Major kam zur Uebernahme und besichtigte uns. Zu unserer freudigen Überraschung erklärte er uns in offenbar angetrunkenem Zustand in deutscher Sprache: „Alles nach Hause!” Nach Wiederholung dieser Aufforderung, die wir mit Staunen vernahmen, begaben wir uns tatsächlich fort. Am nächsten Tag erfuhren wir, daß dem Russen der Transport zu klein gewesen sei, der Transport habe sich ihm nicht gelohnt.

Ich war schon seit Jänner 1945 von den Russen immer wieder zur Arbeit verpflichtet worden und zwar ohne daß sie mich gefangennahmen. Zunächst mußten wir das herrenlose Vieh füttern, bis es abgetrieben wurde und später andere Arbeiten für die russischen Truppen verrichten. In der Nacht durfte ich aber nach Hause gehen.

Aus Budapest kam von Zeit zu Zeit ein Vertreter der dortigen kommunistischen Organisation, ein invalider Jude und fing sich zu Arbeitszwecken Volksdeutsche ein. Auch ich wurde im September einmal mit ca. 50 Schicksalsgenossen mitgenommen und nach Budapest geführt. Dort übernahmen uns die Kommunisten. Mit dem Abendzug fuhren wir heimlich wieder nach Hause. Ich hielt mich in Hinkunft des Nachts nach Möglichkeit außerhalb unserer Wohnung auf. Anscheinend aber wurde ich auch nicht mehr gebraucht.

Im Herbst 1945 stellte uns die kommunistische Gemeindeleitung vor die Wahl, entweder unseren Landbesitz zu bearbeiten oder ihn zu übergeben. Da wir vollständig ausgeplündert waren und weder über Vieh und landwirtschaftliche Geräte verfügten, übergaben wir das Gut und übersiedelten in das Dorf Katymár.

Berichterstatter schildert seine Flucht nach Österreich im April 1946 und schließt den Bericht mit einigen Angaben über die Ausweisung seiner Mutter und das weitere Schicksal seiner Familie in Deutschland.


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