Nr. 19: Zwangsarbeit und Verschleppung der Volksdeutschen nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Gyönk.

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Befragungsbericht nach Aussagen von Jakob Dahmer aus Gyönk, Bez. Simontornya im Komitat Tolna.

Original, 1. Oktober 1953, 8 Seiten, mschr. Teilabdruck.

Berichterstatter schildert eingangs das Verhalten der deutschen Bevölkerung von Gyönk gegenüber der Volksbundorganisation und die Evakuierungsmaßnahmen und fährt dann fort:

Die Sowjettruppen zogen am 1. Dezember 1944 in unsere Gemeinde Gyönk1 ein. Requirierungen, insbesondere von Pferden, waren an der Tagesordnung. Viele Mädchen und alleinstehende junge Frauen wurden vergewaltigt. Auch Todesfälle waren zu beklagen. So wurde der angesehene Bauer Konrad Reindl erschossen, weil man in dessen Wohnung die Uniform seines Sohnes vorfand. Heinrich Schneider wurde totgeschlagen, weil er einen sittenwidrigen Befehl der Sowjetsoldaten nicht befolgen wollte. Den sowjetischen Soldaten gesellte sich unser russischsprechender Landsmann Adam Wolf zu, dessen Frau von Geburt eine Russin war. Wolf war als Dolmetscher tätig. Er war auch stellvertretender Bürgermeister. Über ihn kann nichts Nachteiliges berichtet werden.

Eine besondere Gruppe von Kommunistenfreunden gab sich bald zu erkennen (Kovács, Belak). Diese sollten später zur Plage der gesamten Einwohnerschaft werden. Ihr gehörten auch einige aus Rumänien geflohene madjarische Flüchtlinge an, die sich bei uns niedergelassen hatten.

Die erste größere Maßnahme der Russen war die Mobilisierung der Bevölkerung zur Zwangsarbeit. Die Betroffenen mußten zum Stellungsbau gehen. Man machte keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Ebensowenig wurde hierbei ein Unterschied zwischen den Nationalitäten der Gemeinde gemacht.

Neben diesen Maßnahmen wurde auch verboten, die deutsche Sprache in den Kirchen und bei Bekanntmachungen zu gebrauchen. Auf dem Gemeindeamt verhielt man sich vorsichtig. Ein allgemeines Verbot der deutschen Muttersprache war nicht ergangen. Trotzdem sprach man nur nach dem Gottesdienst — vor der Kirche — öffentlich in Gruppen deutsch. Es war die einzige Möglichkeit, die Muttersprache öffentlich zu gebrauchen.

In der Gemeinde war auch ein russisches Lazarett untergebracht, wo so mancher Landsmann arbeiten mußte. Hier traf mein Vater den berüchtigten Kovács kurz vor Weihnachten, der ihm vertraulich erklärte: „Bald wird etwas passieren, was noch nicht da war.”

Wie mir später erzählt wurde, soll die Deportation unserer Landsleute nach Rußland ein interessantes Vorspiel gegeben haben. Dem Gemeinderat


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war vor Weihnachten ein Befehl der Russen übermittelt worden, daß die Gemeinde eine bestimmte Anzahl von Arbeitskräften dem Sowjetkommando zur Verfügung zu stellen habe. Der Gemeinderat konnte sich aber nicht einig werden und keinen rechtskräftigen Beschluß fassen, da die verwandtschaftlichen Interessen überwogen. Man darf nicht vergessen, daß der alte Gemeinderat, dem auch Freunde des Volksbundes angehörten, noch sein Amt ausübte.

Als die Russen erfuhren, daß nichts beschlossen war, befahlen sie durch Trommelschlag, daß sich die Bevölkerung von 18 bis 45 Jahren im Gemeindegasthaus Kalapa einzufinden habe. Hier amtierte eine russische Kommission, der der Arzt Dr. Kelemen beigeordnet wurde. Es wurden etwa 280 Personen als tauglich für die Deportation befunden. Der Dolmetscher Wolf konnte lediglich einige Landsleute, meistens Verwandte, vor der Verschleppung retten.

Die zur Verschleppung Bestimmten durften das Gebäude nicht mehr verlassen. Es hieß, daß sie zu landwirtschaftlichen Arbeiten in der Batschka eingesetzt würden. Inzwischen hatte der Gemeinderat etwa 30 Fahrzeuge den Russen zur Verfügung stellen müssen, um den Abtransport nach Szekszárd reibungslos durchzuführen. Die Kolonne wurde von russischen Kavalleristen eskortiert.

Berichterstatter schildert anschließend die allgemeinen Enteignungsvorgänge in Gyönk, berichtet über Internierungen und die veränderten Lebensverhältnisse innerhalb der Gemeinde. Die Ausweisung von etwa 40% der Volksdeutschen aus Gyönk erfolgte in zwei Transporten im Frühjahr 1948 nach der russischen Zone Deutschlands.