Nr. 20: Die Deportation der Volksdeutschen von Mucsfa nach der Sowjetunion Anfang Januar 1945; ihre Erlebnisse während der Zwangsarbeit in Rußland bis zur Rückkehr nach Ungarn im Herbst 1949; ihr Aufenthalt im Lager Debrecen und späterer Abtransport nach Deutschland Ende 1950.

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Erlebnisbericht von Frau L. A. aus Mucsfa, Bezirk Völgység im Komitat Tolna.

Original, 28. Dezember 1950, 7 Seiten, hschr.

Als die Russen schon einige Monate in unsern Heimatsdörfchen (Mucsfa)1 herschten, wurde ich verschlept. Es war am 1. Januar 1945. auf Mittag hörte man die Trommel schlagen, und man rif uns auf 14 Tage auf Arbeit, doch nimand ahnte, wohin es ging. am nächsten morgen am 2. Januar ging es ab, mit dem bündel auf den rüken verlissen wir unser Heimats dörfchen und gingen nach Bonyhád. dort haben uns schon Russische Soldaten erwartet, und [wir] wurden in ein groses gebeute undergebracht. wir lagen dort


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8 Tage, und am 10. Januar ging es weiter bis nach Bátaszék an Donauufer. dort erzählte man uns, das wir nach Russland kommen, aber wir wolten es nicht glauben. und in der Nacht fuhren wir über die Donau bis nach Baja. es war bitter kalt, Hände und Füsse waren uns steif gefroren, wir hatten schon manches mitgemacht, doch das ärgste lag noch ungeahnt vor uns.

am nächsten Tag ging es mit Russischer begleitung auf den Bahnhof, [wir] wurden in Vihwagonen eingeladen, Fenster und Türe zugenagelt, und in der Nacht ging der Zug ab. nach 5 Tage wurde uns zum ersten mal die Türe aufgemacht, wir standen noch auf Heimats Erde, es war in Temesvár. nach einiger Minute wurde die Tür wider zugemacht, und es ging weider. Tage hindurch eilte der Zug. jetzt wusten wir, wohin es geht, und wir sangen: „O Heimat ich mus dich verlassen”.

nach 14 Tag kammen wir an die Russische Grenz, dort wurden wir umgeladen, und es ging nach Rusland. am 21. Januar in der Früh wurde uns wider die Tür aufgemacht, und ein groses Lager mit zwei hohe tratzeune umfangen stant vor uns, dort sollen wir untergebracht werden. als wir das sahen, dachte nimand, die Heimat wider zu sehn. wurden dan ausgeladen und entlaust, den ein mancher hate sich schon von der langen reise von den schönen bunten Russischen Tierchen zusammen gelesen, und nun kammen wir ins Lager, kalt in den Zimmern und Holzbritschen zu Better.

von der Reise müht, legten wir uns nieder und schlifen bis am nächsten morgen. als wir erwachten, erwachte auch zugleich der Hunger mit uns, von zu haus hatten wir nichts mehr, es war zum verzweifeln. wir trösteten uns wider: balt geht es ja wider heim, bleiben wir nur stark und lasen den Muht nicht singen, wender Himmel graut, den zwischen dunklen Wolken wird er wider blau. und nach zwei Tage bekammen wir zum ersten mal zu essen, es war eine Kukruz suppe und 100 gr. Brot, aber der Hunger war zu gros.

so vergingen einige Tage, dan ging es an die Arbeit. vom Krieg zerstörte Eisenbahnen räumten wir auf, es war ein Eisig kalter und bitrer Winder, durch den Schnee konnte man kaum die Erde finden, aber die Sehnzucht nach der Heimat wich nicht von uns. es wurde nun Frühjahr, die Sonne schien, aber durch die bitre kälte konte uns die Sonne nicht erwärmen. oftmals Abens sasen wir müht von der Arbeit beisamen, erzälten uns von der Heimat und sangen die schöne Heimatslieder: „nach der Heimat zihtz mich wider”, und hoften von einem Monat zum andern heimzufahren, aber das blib uns aus.

So verging nun ein halbes Jahr, und am April 45 kam ich mit etlichen aus dem Lager auf einen Kolhoz1 hinaus. wir dachten es dort besser zu haben, aber leider war es noch schlechter. von morgens Sonnen aufgang bis abens Sonnen untergang auf dem Feld. der Hunger plagte uns sehr bei schwerer Arbeit, und wir wurden immer schwächer, und so verging nun der Sommer, und es kam der Herbst. der Hunger wurde immer grösser und durch die grosse Hungersnot brach die Bauchtiefus aus, wo auch ich schwer krang an der Bauchtiefus lag. es wurde immer schlimmer. von Ärzlichen hilfe war keine Spur. unsre Tägliche Verpflegung war, morgen Krautsuppe


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mit 200 gr. Brot, Mittags Sup und Abends Sup. es wurde von Tag zu Tag schlimmer, so das wir schon alle Krang lagen. Dan am IX. 45 kamen wir wider zurück ins Lager. auch dort herschte schon die Tifus, so lag ich 3 Monate hindurch schwer krang, das Augenlicht und Gehört war schon ganz schwach und meiste zeit lag ich bewustlos. die Haare vom Kopf wurde uns Frauen wie Mäner ganz abgeschniten, so das man eins das andere nicht erkante. das ganze Lager wurde zum Krankenhaus, manchen Tag starben 10 bis 15 Personen, die wurden auf den Wagen geladen, hinaus auf den Fridhof gefahren, dort grub man ein loch, stürzte den Wagen um, die Toten in das loch und deckte sie mit etwas Erde zu. ja, oft trohte uns die Verzweiflung, und wen man meint, es geht nicht mehr, dan komt wider von irgent wo ein Lichtlein her. es wurde wider Frühjahr 1946, und durch die warme Sonne verlor sich dise Krankheit, doch nahm uns diese Krankheit mehr als 400 Persohnen mit, so das wir noch 1000 Persohnen im Lager blieben.

Ich wurde wider gesund, und im Frühjahr 1946 kam ich wider auf den Kolhoz. es erging uns schon ein wenig besser. doch durch das regnerische wetter schlich wider ein Krankheit bei, die Malari, wo auch ich wider Krank war. auch dise Krankheit hate ich klüklich überstanden, es wurde wider Herbst. und eines Tages holten sie mich wider zurük ins Lager und wurde in die Kohlengrube eingedeilt. als ich zum erstenmal ins Schacht fuhr, dachte ich, das es mein letztes ist, ich hatte ganz schwere Arbeit: steine versetzen und Kohlen lifern. doch durch das harte Schiksal wurde auch ich immer härter, und die hofnung nach heim erhilt mich. es verging Jahr auf Jahr und 1947 kam herbei. doch nimand von uns ahnte, was in der Heimat geschah, und im Herbst 47 bekamen wir zum erstenmal Post aus der Heimat. es war uns allen eine grosse Freude. aber schon manches schrieb, das man ihnen ales genomen hat und stehen jetzt ganz Heimatslos. trotztem wir uns so sehr nach der Heimat sehnten, konte uns das nicht erschüttern. nur noch einmal zu unsern lieben, es mag sein, wo es will. auch dises Jahr verging, und 48 kam herbei. von Monat zu Monat versprach man uns heimzufahren.

nun kam wider der Sommer. schon so mancher unsrer Kamraden musten ihr Leben lassen in der grausamen Schacht. auch ich wurde wider Kränglich von der schweren Arbeit und schwacher kost und wurde eines Tages vom Russischen Arzt von der Grube frei geschrieben und bekam ganz leichte Arbeit, wo ich dan 5 Monat hindurch Arbeitete.

Es kam nun 49, ich erholte mich schon ein wenig, und kam wider in die Kohlen Grube Arbeiten, es wurde immer besser, der Post verkehr ging. im Lager wurde es immer besser. Sontags unterhilten wir uns mit Mussig. Deutsche Grigsgefangenen besuchten uns im Lager und unterhilten uns mit Mussig und Konzerte. So auch Ungarische Grigsgefangene besuchten uns ab und zu mal mit ihrer Mussig. nun versprach man uns im Oktober heim zufahren. mit groser Sehnsucht und nach langem warten kam diser Monat herbei, und am 17. gingen wir zum letzten mal auf Arbeit. vor Freude konten wir kaum die zeit erwarten bis zum abfahren, und nach 10 Tagen am 27. Oktober 1949 wurden wir eingeladen, und am abend fuhren wir ab der Heimat zu.


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Tage hindurch eilte der Zug der Heimat zu, und am 2. November kamen wir in Máramarossziget1 an, wurden dort ausgeladen und entlaust, bekamen gut zu essen und gingen schlafen, und am nächsten Tag ging es weiter der Heimat zu, und am 3. November in der Früh um 5 Uhr fuhren wir über die Ungarische Grenze. die freude war gros, nach 5 Jahren wider in der Heimat, und am 4. November kamen wir in Debrecen im Heimkehr Lager an. wir wurden schön empfangen, bekammen zu essen, wurden entlaust und auch vile entlassen.

ich aber und noch etliche bliben zurük im Lager, weil unsre Eltern ausgewisen wurden, und verlangten uns auch zu ihnen nach Deutschland. man versprach uns auch bis Weihnachten schon zuhaus [zu] sein; es wurd Weihnachten und von nachhaus fahren war keine spur. unter einem kleinen Tanenbäumchen feierten wir zum ersten mal nach 5 Jahre Weihnachten. nun versprach man uns wider von einem Monat zum andern heim zufahren. es wurde Frühjahr. ein Tranzbort um den andern kam von Russland, und immer blieben welche bei uns im Lager zurük. wir waren schon über 500 Persohnen, und eines Tages reiste ein Tranzbort von uns ab in die Russen Zone. wir aber blieben zurük und hoften auch balt heim zu fahren. und im Juni löste sich das Lager auf, ein jedes ging, sich ein weideres verbleiben zu suchen, bis wir heim dürfen.

dan ging auch ich noch mal zurük in mein Heimatsdörfchen. leider fand ich es nicht so, wie ich es verlassen hab, und muste mit den Dichter sagen: jetzt schauen fremde Menschen aus dem Fenster, es war einmal mein Elternhaus. zwei Monat hindurch verblib ich dort bei bekante, bis eines Tages kam die frohe botschaft, nach der wir uns schon fast 6 Jahre sehnten: bis 5. September geht unser Tranzbort ab in die neue Heimat.

Die Zeit verging, und am 4. September fuhren wir nach Budapest, melteten uns an, dan kamen wir alle in ein groses Haus. die Tür wurde sofort hinter uns geschlosen. nun wurden wir alle durchsucht, vom kleinsten bündel bis zum grösten, von Kopf bis zu Fuss. ales was neu oder schön war, nahmen sie uns wek. Kleider, Gelt, Wein, schnaps, Fleisch, Mehl, Fett, ja so zu sagen fast alles noch vom Essen, was wir uns auf die Reise mitnahmen, wurde uns genommen, so gar manchem blieb der lehre Kupfer2 zurük, und für 6000 Forint3 wert Sachen wek nahmen. und am 5. fuhren wir ab, durch die Tschechei nach der Russen Zone und dann nach Hof.-Moschendorf. dan fühlten wir uns wie zuhaus, wir wurden schön empfangen, bekamen guht zu essen, und am 12. September wurden wir alle entlassen. ein jedes suchte sich seine neue Heimat. es war nach fast 6 Jahren ein frohes Widersehn.


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