Protokollarische Aussage des R. N. aus Szalatnak, Bezirk Hegyhát im Komitat Baranya.
Original, 30. Januar 1951, 3 Seiten, hschr.
Am ersten Weinachtstag 1944 wurde in unserer Gemeinde1 durch Trommelschlag bekanntgegeben, dasz sich alle Frauen vom 18. bis 30. Lebensjahr und alle Männer vom 17.—45. Lebensjahr2 zu einer Wiederaufbauarbeit melden müszen. Am 28. 12. 1944 wurden auf diese Art und Weise etwa 130 Personen mit Pferdewagen nach Sásd, der Bezirkshauptstadt, gebracht. In Sásd erfolgte eine oberflächliche ärztliche Untersuchung. Es wurden nur Schwerstkranke und solchen Frauen entlassen, die kurz vor der Endbindung standen. Vom 28. auf den 29. Dezember 1944 wurden wir ungefähr 500 Personen in einem Transport zusammengefasst und zu Fusz Richtung Fünfkirchen (Pécs) in Marsch gesetzt. Ungefähr ein Drittel des Transportes waren Frauen. Darunter solche, die l bis 2 kleine Kinder zu Hause zurückliesen. Ich kannte Frauen, die Kinder mit 7 bis 8 Monaten hatten. Der Transport, in dem auch ich getrieben wurde, wurde von ungarischen Partizanen mit Gewehr bewacht, die dauernt Schüsse abgaben. Essen haben wir nicht bekomen.
Am 29. 12. 1944 kamen wir völlig erschöpft in Fünfkirchen an und wurden im Pferdestall der sog. Lakicskaserne einquartiert. Hier waren wir unter Bewachung, Frauen von ihren Ehemännern getrennt, bis 5. Januar 1945. Am 5. Januar 1945 wurden wir von der Lakicskaserne unter strenger Bewachung zum Bahnhof Fünfkirchen getrieben. Hier wurden wir in Viehwagen verladen. In einen Wagen wurden 35—40 Personen gepfercht. In den Wagen war kein Stroh vorhanden, wir sasen auf dem kahlen Fuszboden. Es war eine Kälte [von] 10—15 Grad; in den Wagen waren keine Öfen. Der Transport ging vorerst nach Baja. In Baja waren [wir] bis 9. 1. 1945 in einem Gebäude ohne Fenster, Türen und ohne Dach. Am 9. 1. 1945 wurden wir über die Donau gebracht und endgültig einwagoniert mit Ziel Russland. In einen Viehwagen wurden wieder 40—45 , in die grössere russische Wagen bis zu 100 Personen eingepfercht. Die Türen wurden von ausen geschlossen. Die Notdurft musste im Wagen verrichtet werden und zwar so, dasz am Fuszboden ein Loch war. Ab Baja hat russisches Militär unsren Transport übernommen. Wir waren vom 9. Januar bis 5. Februar 1945 unterwegs und durften wärend dieser Zeit unsere Wagen nicht verlassen.
Am 5. Februar 1945 kamen wir im Kaukasus in der Stadt Grosnyj an. Unser Transport bestand aus 1200 Personen. Die Hälfte wurde in einer Kaserne, die andere Hälfte, darunter auch ich, wurden in einem Barackenlager auserhalb der Stadt untergebracht. Die Hälfte waren Frauen und Mädel. Wir wurden bei Arbeiten der Oelleitung beschäftigt. An Verpflegung gab es täglich 50 dkg Brot und zweimal Kraut- oder Rübensuppe. Noch im Laufe des Jahres 1945 sind ungefähr 40% an Unterernährung gestorben oder verhungert. Von den 130 Personen, die aus meiner Heimatgemeinde verschleppt wurden, sind 1945 15 Personen verhungert. Die verstorbenen wurden nackt ausgezogen und nicht weit vom Lager in Löchern verscharrt. Das Ohrfeigen der Lagerinsassen durch die Wachmannschaft war an der Tagesordnung.
Am 10. September 1946 wurde ich, Tbc-krank, mit ungefähr 40—42 Kilo [Gewicht] nach Deutschland entlassen. Seit dem stehe ich dauernd in ärztlicher Behandlung, werde aber niemehr ein gesunder Mensch werden.