1. Die Einziehung der Volksdeutschen in der Slowakei zur Waffen-SS.

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Bis in die Mitte des Jahres 1944 blieb die Slowakei und damit auch die deutsche Minderheit von unmittelbaren Kriegseinwirkungen verschont. Von einer Lebensmittelrationierung konnte ebenso keine Rede sein, und auch der kriegsbedingte Arbeitseinsatz im Reich wurde wegen der dort gegebenen guten Verdienstmöglichkeiten und der beschränkten Arbeitsmöglichkeiten in der Heimat eher als eine Vergünstigung betrachtet.

Auch der aktive Kriegsdienst der Volksdeutschen Männer hielt sich in bescheidenem Rahmen. Bis 1944 dienten sie in zwei nur aus Deutschen gebildeten Abteilungen regulär im slowakischen Heer.

Schon während die für den Ausbau der Volksgruppe günstige politische Konstellation anhielt, begann aber bereits eine Entwicklung einzusetzen, die im letzten für das Slowakeideutschtum verhängnisvoll geworden ist.

Die SS, die vor allem über die Volksdeutsche Mittelstelle Möglichkeiten hatte, auf die einzelnen Volksgruppen einzuwirken und sie den Interessen der reichsdeutschen Politik dienstbar zu machen, begann schon in einem frühen Stadium des Krieges in den deutschen Volksgruppen eine intensive Freiwilligenwerbung zu entfalten. In der Slowakei gelang es ihr so'gar, auf die Formationen der Staatspartei, die Hlinka-Grade, organisatorisch und ideologisch Einfluß zu gewinnen1. Gleichzeitig versuchte sie auch in der Volksgruppe durch die Errichtung eines „ET-Sturmbanns” (ET = Einsatz-Truppe), einer Formation der Allgemeinen SS, für ihre politischen Ideen zu werben. Hier stieß sie allerdings auf starken Widerstand der Volksgruppenführung, die sowohl bemüht war, nicht durch eine allzu offenkundige Verbindung mit reichsdeutschen Dienststellen ihre Position gegenüber dem slowakischen Staat zu belasten, als auch keine Organisationen dulden wollte, die sich ihrer Kontrolle entzogen. Gegen die massive Machtpolitik der SS konnte sie sich damit allerdings nicht durchsetzen2. Der ET-Sturmbann betrieb eine intensive Freiwiliigenwerbung, und da auch manche der im Reich


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befindlichen Slowakeideutschen für die SS gewonnen werden konnten, kam es im Ergebnis dazu, daß eine relativ hohe Zahl von Slowakeideutschen bei der Waffen-SS Dienst leistete1.

Die riesigen deutschen Kriegsverluste und die sich immer schwieriger gestaltende Ersatzlage brachten schließlich die nationalsozialistische Reichsführung dazu, immer neue Reserven zu mobilisieren. So ging sie auch dazu über, die von ihr abhängigen Regierungen der südosteuropäischen Länder zu zwingen, die Wehrfähigen deutscher Volkszugehörigkeit zum Dienst in der Waffen-SS und Wehrmacht freizugeben. Nach dem Vorbild der mit Ungarn und Rumänien getroffenen Vereinbarungen über den Kriegsdienst ihrer Staatsbürger deutscher Nationalität in den reichsdeutschen Verbänden2, forderte die Deutsche Regierung ähnliches auch für die Slowakeideutschen. Sie schloß mit der slowakischen Regierung am 7. Juni 1944 ein Abkommen, das die Ableistung der Wehrpflicht durch die slowakischen Staatsangehörigen


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deutscher Nationalität in der deutschen Wehrmacht—Waffen-SS vorsah1. Noch im gleichen Monat begann die zwangsweise Einberufung der in der Kriegsindustrie und -Wirtschaft entbehrlichen Männer. Gleichzeitig wurden die in


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den zwei Volksdeutschen Einheiten der slowakischen Armee Dienenden in die Waffen-SS überführt1.

Die Folge der Zwangsrekrutierungen war ein starker passiver Widerstand der dienstpflichtigen Männer und ihrer Familien gegen diese Maßnahmen. Ein beträchtlicher Teil von ihnen erschien entweder gar nicht zu den Musterungen oder desertierte bei der ersten sich bietenden Möglichkeit. Slowakische Polizei- und SS-Streifen, bestehend aus SS-Reservisten und Angehörigen der deutschen Volksgruppe, veranstalteten Razzien nach den Deserteuren2. Es war dies das erste sichtbare Zeichen dafür, daß die An-


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gehörigen der Volksgruppe den nationalsozialistischen Parolen nicht uneingeschränkt Folge leisteten.