Obwohl das ungarländische Deutschtum bei Kriegsende und in den Nachkriegsjahren nicht in dem Maße brutalen Verfolgungen und Ausschreitungen ausgesetzt war wie das Deutschtum in der Tschechoslowakei oder in Jugoslawien, so ist das Ergebnis der vom ungarischen Staat getroffenen Maßnahmen im ganzen nicht weniger einschneidend: das Deutschtum in Ungarn ist als selbständige Volksgruppe und geschlossener Bestandteil der ungarischen Bevölkerung in seiner sozialen und nationalen Existenz aufs allerschwerste getroffen.
Eine statistische Erfassung dieses Vorganges gestaltet sich dadurch schwierig, daß nur sehr wenig wirklich zuverlässige Zahlen zur Verfügung stehen. Da schon die tatsächliche Zahl der Volksdeutschen in Ungarn vor dem Zusammenbruch, wie aus dem Einführungskapitel hervorgeht, außerordentlich umstritten ist, kann sie nur mit Vorbehalt als Ausgangspunkt für eine Berechnung genommen werden. Im Jahre 1950 lebten in der Bundesrepublik etwa 170 000 Ungarndeutsche1, in Österreich (nach dem Stand vom 1. Oktober 1951) etwa 15 OOO2. In diesen Zahlen sind die Flüchtlinge, die Evakuierten und die Ausgewiesenen enthalten.
In der sowjetischen Zone Deutschlands werden sich ungefähr 54 000 Volksdeutsche aus Ungarn aufhalten3. Nimmt man weiter an, daß 5000 bis
8000 im Kriege gefallen und daß von den 30 000 Kriegsgefangenen und 25 000 Zivilverschleppten in Rußland etwa 6000 umgekommen sind3 — Verluste während der Vertreibung sind in größerem Umfange nicht eingetreten — dann läßt sich folgende Tabelle mit Annäherungswerten zusammenstellen:
Bei einem Vergleich dieses Ergebnisses mit der Zahl der deutschsprachigen Personen in Ungarn nach der Volkszählung von 1941 (490 449)2 ergibt sich, daß heute noch mindestens 240 000 Volksdeutsche in ihrer alten Heimat leben müßten3.