Nr. 8: Die Vorbereitungen zur Evakuierung der Volksdeutschen in Szomor und der anschließende Treck und Bahntransport über Tata-Kisbér-Komarom nach Wien.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Erlebnisbericht des Bauern Michael Schinko aus Szomor (Sumur), Bezirk Totis-Tata im Komitat Komárom.

Original, 6. April 1955, 7 Seiten, mschr.

Mit der Aufnahme eines größeren Flüchtlingstrecks aus Almáskamarás (ungar. Banat) und den daraus erwachsenen Schwierigkeiten innerhalb der Gemeinde Szomor leitet Vf. seinen Bericht ein. Er fährt fort:

als wier ende Ogtober fon der Volksgruppenleitung einen Aufruf zur flucht bekammen, wurte diesem nicht fiel gehör geschengt, doch als am 27 den Nowember der in meinem Haus Eingwartirte Spies mid seinem Schef, einem Oberst, fon der Rusischen frond Inschpizirung zurückkam und mir mitteilte, wie es dort aussiht, da wurte es ernstgenommen, besonderst als man uns damals schon genau sagte, das unsere Gemeinte1 bei einem umringgen Budapest unausweichlich zur frond wiert. bei dieser mitteilung an unser Volk began dan das Ein und auspacken, noch immer konden fiele es nicht glauben, das man freiwillig die so treaute Liebe Heimad ferlasenkan. als aber fon 8 am 9 Dezember unsere fenster glirten, da kammen fiele frauen in der Nacht und Jamernten, gehen wier toch, es kommen doch scon die Russen. am 10den wurte dan ein transportzug am Bahnhof Herczeghalóm bereit geschtelt, und es began die einwagonirung von flüchtlingen aus 5 Gemeinten. über hundert bersohnen aus unserem torf wurten samd fielen gebeck tort hin gebracht, in folge Militärs ferschibung konten sie 8 tage fon Bahnhof Herczeghalóm nicht wekkommen, so wanderten dan somanhe wieter nach haus. wier aber, 15 Persohnen mid 9 Wagen, ferlisen am 11den Dezem um 10 uhr Schweren Herzens unsere Liebe Heimad Gemeinde Szomor, fileicht auf nimer wietersehen. nach Einem rührenten Abschied mitten in unserer Gemeinte fon frau Steiernotar, die damals schon Wuste, dassie auch eine Deutsche Mutter hatte, so wie fielen Anteren, darunter die Gendarmari. diese Starken Männer des gesezes trückten uns fest die Hende, ihre Silberperlen aus den augen fielen mir auf meine zum leztem apsit dargereichte Hand.


18

ihre lezte worte waren: „Kedves Sinkóbácsi magug csag tutjág hogy hová menek de mi lesz mivelüng a jo Isten Aldja mag ád minden dvábi udján”1. da began unsere fart durch die Gyermelger gasse aus unseren Torf hinaus, wo mehr als Zweijahrhuterten unsere Ahnen Schaften und dort ihre Ewige ruhe fanden, die uns nicht mer gegönd sei. nur 300 metter vom Torfende bei der grenze unserrer Gemarkung Stand das Marmorkreitz, wo aljärlich seid unserrer Kindes zeid die ganze Deutsch Christliche Befölkerrung mit der Öschprozesion hinnauszog, um den Segen für unsere feldfrüchte dem gegreizigten zu bitten. da machten wir zum Letztenmal halt, um bei im Trost zufinden für unsere Heimadlosse Zukumpft. diese anhöhe pot uns aber auch noch mals und zum Leztemmal einen Überblig über alle unsere felter, an die wier seid Jahr Hunterten über unsere Väter mid allen fasern unserrer Herzen gehangen sind! die ganze damals noch so friedliche Gemeinde samd dem Gottes Acker mid unserrer Kapelle, um der unsere angehörige in frieden ihre Ruche fanden, potsich fonhier aus zum Letztemmalle unseren augen. eine innere Stimme warnemend, geht nur geht, für Eich ist hier keine Zukumpft mehr, mein Segen sei eich auf Allen eieren Wegen. als die Lezte faser unseres Herzens, die an unserrer Lieben unfergeslichen Heimad Gemeinte Szomor hang, zerries, da überschritten wier die grenze unserrer Gemarkung mit zergnirschtem Herzen in die unbekande ferne, Eine Neie Heimad Suchend. doch wie wen sich Alle Demonnem gegen unsere fahrt ferbunden hetten, schon in Gyermely Stokte unsere fart. 4 Stunden brauchten wier, bies wier uns fon einem noch nie dagewesenen getrenge fon Militärsfartzeihe auf Einer bies zur unkentlichkeit fertorbenen Straße apsezen konten. jezt war uns der Weg nach Tarján frei, wier fuhren nicht weid, und Schon zeigten sich die Spuren des Elents, der Noht und ter un Menschlichkeit des flüchtlings Schigsals. zwei bies auf die Knochen abgetribene Pferte lagen im Straßengraben mitdem Gnaden Schuß im kopfe, wier fragten uns, wo wie wiert noch unser Schigsal endten. Spät Abents kamen wier in Tarján an, es war unser erster Reisetag, ein Schöner, fast Warmer for Wintertag, der 11. Dezember 1944. es solte der Lezte Schönetag gewesen sein. rasch waren unsere Leite, Pfert und Wagen undergebracht. troz allem Militärischen umtrib, die Tarjáner Landsleite waren um uns alle besorgt. mid ihren tinstbaren entgegenkommen habensisich bei uns Allen ein unfergesliches Andenken bewart. am 12 frümorgens ferlisen wier bei Strömmenten Regen unsre Lieben Tarjáner. der Weg fürte uns über die Bergige Waldgegend Untergalla zu, da der Weg über Agostyán aus ferkersgründen unbefahrbar war. ungehintert kamen wier um 11 ur in Tata an, einige frauen durch die slowagische Gemeinde Szöllös meinden, warum wier flüchten, jezt komtt doch erst die besere Zeid, Vater Stalin wiert uns balt Erlösen. ich Wünschte ihnen fiel glük und sagte auch, Eire freite wiert nicht am lengsten dauern. auch diese frauen werten oft an die fielen flüchtlingen getacht haben, die durch ihre Straßen zogen. in Tata trafen wier Herrn Albert in Einem Gasthaus, wo uns Allen das Ungarische Gulás gud Schmegte. nach kurzer rast ging unser Weg under Strömenden Regen nach Kocs weiter, wowir Spet abents turchnest ankammen, in diesen Ungarischen. mid Militär


19

fol geschtoptten Torfe, kamen wier keinen Schrit weiter. Deutsches und Ungarisches Militär Schtriten sich auf den Gassen, die Deutschen wolden nach der frond, die Ungarn dafon Los, sie machten sich so ernste forwürfe, daß wier einen kampf jete Minute befürchten musten. unter diesen umschtenten war es kein Wunder, das diese Bauern aus unsgegenüber sehr unfreindlich waren. ich muste auf die Deutsche Torfkomendandur gehen, die uns dan Rasch aus diesem Kaos in eine trokenne underkumpft brachte. wier konten unsere gleider troknen, wurten ausen troken und innen naß. N.S.V. frauen reichten uns Heisen Tee mit guten Ungarischem Rum, so hatten wier uns balt wieter Erhold. auch unsere Pferte waren in trokenen, unsere Wagen wurden fon Peu Soltaten bewacht, so waren wier diesbezüglich wieter eine Nacht sorglos. am 13 frü morgens ging es dan under noch kelteren Regen auf der Straße Kisbér zu, for lauder getränge auf dieser Straße schin es uns fast unmöglich, dieses Städhen zuerreichen. mein ziel waren die Staadtlichen Geschtüts Gebeiten, wo ich Einige bekandschaft hatte und ein gudes Gwartir erhofte. Schbet abents angekomen, war ich sehr enteischt. Das Einstige so wertfolle Gestütsmaderial war ferschwunden, alles nach Österreich apgeschoben, auch dort waren Deutsche truppen Eingezogen und waren die Herren über diese gros ausgetenten Stallungen und Gebeiten. ich meltette uns beim komando, und wier bekamen sofort reichlich Platz für unsre Leite, Pferte und Wagen. eine Warme Stube über Nacht hat uns Allen ihre wierkung füllen lassen. am Morgen waren wier müte, und nimant wolte raus. ich wurde bald zum komendanten bestelt, der um unsere Wegrichtung wiesenwolte, die über die gebirgige Gegend des Bakony in Richtung Ödenburg gefürd hette. ich lies im ferstehen, das dieser Weg wie ein Schrekgespenst for uns stehe, worauf er meinde, ja ja, bei diesen Wetter kan es geferlich werden1, er sagte mir, wen wier wollen, können gans gerne an einen Eisenpan Tranzport teilnemmen der morgen hier Einwagonirt und Abents 5 ur hier wekget. dies war am 14. morgens. diese nachricht war bei allen freitig aufgenommen worten, und wier stimten zu. noch am 14. den bekamen wier Wagonen zugewiesen, und regwirirten uns Offen Holz und Kolle und richtetten uns reht Heislich ein in Einem dieser Fiechwagonen. am 15 den Morgens kammen die Leide aus der Gemeinte Aka, lauder frauen und kinder ann, und der Ewagoirungleider war froh, mir die Leitung dieses Transports übergeben zukönnen. am nachmitag übergaben wier Pferte und Wagen für einen wertschein, der in Wien Später mall Eingelöst werten wiert, was aber nicht mehr gelungen ist. wier trenten uns hier fon unserren letzten Lieben Bäuerlichen fermögen, von unsren Lieben Pferte, um nie mehr welhe unser Eigentum nennen zu können.

fon allem Lebewesen getrend, das uns noch an die Heimad band, ging dieser Zug bungt 5 uhr von Bahnhof Kisbér in richtung Komorn ap, wo wier nach einer kaum forwerts kommenten, auf allen Bahnhöfen herumlungernden fart, kamen wier am 16. den, 10 uhr in Komorn an2. hier solden


20

wier Lebensmittel für unsre weitere fart ausfassen, die für uns 97 bersohnen die lezte sein solte. ich Erkundigte mich am Bahnhofkomando, wielange dieser Zug hier halten wiert und meltette gleihzeitig, das wier auf der fassungsstelle zu dun haben, er meinde es nicht genau zu wiesen, for 12. keinen fall. so gingen wier zu 7 bersonen auf die fasungsstelle, wo wier für 97 bersohnen sehr fiele Lebenmitel bekammen, so das wier zutragen hatten. alswier aber auf geleise zurük kerten, war unser Zug wek, und wier hatten das nachsehn. wier gaben zum grosteil diese Lebensmitel wieter ap, gingen dan auf die Ausfart Straße Raab zu, wouns Audos nach Raab sofort mid namen. 5 uhr waren wier am Raaber Bahnhof, werend unser Zug Negstentag morgens 4 u. ankam. es war der 17. von hier nach Hegyeshalom brauchten wier bies 19. 6. uhr morgens. gegen 9 ur bekammen wier ein Deutsches Logomodiv, und die ware Bahnfahrt began. Schon nach l Stunde machten wier auf einen Außenbanhof Wiens hallt.

Es folgen Schilderungen des Vf. über den Weitertransport und kurzfristigen Aufenthalt in Budegowitz (Südmähren), Salzburg und über die Umsiedlung nach Süddeutschland.